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Melatonin-Agonist gegen Schlafstörung bei Blinden

In Europa wird aller Voraussicht nach bald ein neuer Melatonin-Agonist verfügbar sein: Tasimelteon (Hetlioz® von Vanda Pharmaceuticals) erhielt vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA eine Zulassungsempfehlung als Orphan Drug. Es soll bei Blinden zum Einsatz kommen, die unter einer Schlaf-Wach-Störung mit Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus leiden. Bei diesen Menschen wirkt der Melatonin-Rezeptor-Agonist als circadianer Regulator, nähert also die innere Uhr einem 24-Stunden-Rhythmus an. Dazu sollen Betroffene eine Hartkapsel mit 20 mg Tasimelteon abends vor dem Zubettgehen einnehmen.

Das Tageslicht ist ein wichtiger Taktgeber für die innere Uhr. Bei Blinden, denen dieser äußere Einfluss fehlt, können sich die Schlaf- und Wachzeiten verschieben. Dabei stellt sich in den meisten Fällen ein etwa 25-stündiger Rhythmus ein. Das ist mit einem normalen Sozial- und Arbeitsleben nur schwierig zu vereinbaren.

Tasimelteon verbesserte in den Zulassungsstudien die Symptomatik signifikant stärker als Placebo. Es kam sowohl zu einer Verlängerung des Nachtschlafs als auch zu einer Abnahme der Tagesschläfrigkeit. Allerdings zeigte sich auch ein unerwünschter Einfluss auf den Schlaf: Alb- und ungewöhnlichen Träume traten verstärkt auf. Sie zählten neben Kopfschmerzen und Benommenheit zu den häufigsten Nebenwirkungen. (am)

 

27.04.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Matte