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Medikationsmanagement: Jede Apotheke soll mitmachen

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Jede Apotheke sollte sich an einem der aktuell laufenden Modellprojekte zum Medikationsmanagement beteiligen. Das forderte Professor Dr. Ulrich Jaehde, Leiter der Klinischen Pharmazie in Bonn, im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der Interpharm in Hamburg. «Bei der Teilnahme an einem Modellprojekt kann sich das gesamte Team für das Medikationsmanagement qualifizieren», so seine These. Eine achtstündige Fortbildung, wie sie das derzeit von der Bundesapothekerkammer entwickelte Curriculum vorsieht, reiche nicht aus.

 

Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, sieht das Curriculum auch nur als einen Anfang. «Wir wollen alle Apotheken fit machen», so Schmidt. Zumindest übergangsweise fordere dies jedoch einen Spagat. Die Einstiegshürde solle nicht zu hoch sein, wie beispielsweise eine 300- bis 500-stündige Weiterbildung. Das Curriculum sei zugleich die Voraussetzung, um am Modellprojekt ARMIN teilnehmen zu können, das in Thüringen und Sachsen durchgeführt wird. Jaehde betonte, dass zumindest in Nordrhein-Westfalen, wo die Projekte ATHINA und Apo-AMTS laufen, die Nachfrage nach Intensivseminaren, die auf die Basisschulung folgen, bereits sehr groß seien.


Das bestätigte AMTS-Managerin Isabel Waltering, die für die Apothekerkammer Westfalen-Lippe und bundesweit in der Fortbildung zum Thema aktiv ist: «In acht Stunden kann jeder merken, wo seine Probleme und Grenzen liegen.» Tiefergehende, standardisierte Fortbildungen müssten aber parallel entwickelt werden, um eine überprüfbare Qualität liefern zu können.


Olaf Rose, Apotheker aus Münster und seit Jahren als Medikationsmanager aktiv, riet dazu, sofort, aber klein anzufangen: «Wer sich selbst überschätzt, kann ins offene Messer laufen», sagte Rose, der wie Waltering den US-amerikanischen Titel eines Doctor of Pharmacy trägt. Am besten sei es, mit Sicherheitsaspekten wie Dosierungen und Doppelverordnungen anzufangen, also Aspekten zur Arzneimitteltherapiesicherheit, die jeder Apotheker sowieso beherrschen sollte. Der Patientenfall müsse dazu strukturiert aufgearbeitet werden. «Sie sollten jedenfalls nicht sofort die gesamte Therapie über den Haufen werfen», warnte Rose. Er machte auch noch einmal darauf aufmerksam, dass nach dem geplanten E-Health-Gesetz jeder Patient mit mindestens fünf Medikamenten ab dem 1. Oktober 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan erhalten soll. Auch hierauf müsse man sich jetzt schon vorbereiten. (dh)

 

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09.03.2015 l PZ

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