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Feinstaub geht direkt ans Herz

Eine erhöhte Konzentration von ultrafeinen Feinstaub-Partikeln führt bereits nach fünf Minuten zu einer veränderten Herzratenvariabilität, also der Fähigkeit des Herzens, seine Schlagfrequenz an akute Ereignisse anzupassen. Das legen die Ergebnisse einer im Fachjournal «Particle & Fibre Toxicology» vorgestellten Studie von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums München nahe.

 

Zu Feinstaub zählen alle Staubpartikel mit einem Durchmesser unter 10 µm (PM10). Sogenannte feine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 µm (PM2,5) können bis in die Bronchien und Lungenbläschen eindringen, ultrafeine Partikel unter 0,1 µm (100 nm) Durchmesser sogar in das Lungengewebe und den Blutkreislauf. Die EU-Grenzwerte liegen laut Umweltbundesamt bei 25 µg/m3 für PM2,5 und 40 µg/m3 für PM10 (Jahresmittelwert). Für ultrafeine Artikel gibt es bislang keine Grenzwerte.

 

Für ihre Studie stattete das Team um Professor Dr. Annette Peters vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung 64 Probanden mit Messgeräten aus, die während ihrer alltäglichen Aktivitäten die Herzaktivität sowie die individuelle Partikelanzahlkonzentration erfassten. Die offiziellen Feinstaubdaten aus städtischen Messstellen wurden ebenfalls mit einbezogen. Alle Probanden litten laut Pressemitteilung des Forschungszentrums unter erhöhten Blutzuckerwerten beziehungsweise an Typ-2-Diabetes.

 

«Erhöhte Konzentrationen von ultrafeinen Partikeln wie zum Beispiel in dichtem Straßenverkehr führten bei den Probanden bereits nach fünf Minuten zu einer veränderten Herzratenvariabilität», so Peters. Die Herzratenvariabilität beschreibt die Schwankungen der Herzrate. Ein niedriger Wert stellt einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Die Forscher konnten zeigen, dass bei einer Zunahme der Partikelanzahlkonzentration die Herzratenvariabilität abnahm und die Herzrate zeitlich versetzt leicht zunahm. Auch bereits bekannte Effekte seien bestätigt worden, etwa dass feine Partikel auf Stundenebene sowie Lärm mit einer eingeschränkten Herzfunktion assoziiert seien.

 

Die gesundheitsschädigende Wirkung von Feinstaub ist keine Neuheit. Laut Studie des Helmholtz-Zentrums treten diese jedoch schon unterhalb der EU-Grenzwerte auf. Hinsichtlich der ultrafeinen Partikel, für die es keine Grenzwerte gibt, gehen die Wissenschaftler von zusätzlichen Gesundheitsgefährdungen aus. «Die Ergebnisse sind alarmierend, da ultrafeine Partikel in unser aller Umwelt vorkommen und gesundheitliche Risiken bergen – insbesondere für Menschen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen tragen, wie die in der Studie gewählten Diabetiker», so Peters. «Wir hoffen, mit unseren Daten die Forderungen nach Grenzwerten und künftigen Umweltstandards untermauern zu können.» (ke)

 

DOI: 10.1186/s12989-015-0083-7

 

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31.03.2015 l PZ

Foto: PZ/Katja Egermeier