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Antiemese: Aprepitant auch bei Kindern wirksam

Der Neurokinin-1-Rezeptorantagonist Aprepitant kann Übelkeit und Erbrechen auch bei krebskranken Kindern und Jugendlichen, die eine mittel bis hoch emetogene Chemotherapie bekommen, wirksam verhindern. Dies zeigte eine randomisierte multizentrische doppelblinde Studie mit 307 Patienten im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren, die kürzlich im Fachmagazin «Lancet Oncology» veröffentlicht wurde. Bislang ist Aprepitant (Emend®) nur für Erwachsene zugelassen.

 

Die Kinder und Jugendlichen erhielten Aprepitant oder Placebo plus Ondansetron am Tag 1, gefolgt von Aprepitant oder Placebo an den Tagen 2 und 3. Bei Bedarf konnten die Ärzte Dexamethason hinzugeben. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die ein komplettes Ansprechen in den 25 bis 120 Stunden nach Beginn der Chemotherapie zeigten. Dies war bei der Hälfte der Patienten in der Verumgruppe der Fall: Sie hatten kein zytostatikainduziertes Erbrechen und brauchten kein Notfallmedikament. In der Vergleichgruppe waren es 26 Prozent. «Die Kombination von Aprepitant mit dem 5-HT3-Antagonisten Ondansetron halbierte die Erbrechensrate», resümierte Professor Dr. Heribert Jürgens von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Münster beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie. Der Nutzen war in der gesamten Zeit, aber vor allem in der verzögerten Phase deutlich.

 

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren fiebrige Neutropenie, Anämie und Abfall der Neutrophilen. Diese seien vor allem durch die Chemotherapie bedingt, sagte der Kinder-Onkologe.

 

Jürgens hofft auf eine baldige Zulassung von Aprepitant für Kinder ab sechs Monaten und Aufnahme der Substanz in die Leitlinien. Dies könne den Standard der Antiemese bei Kindern und Jugendlichen wirksam verbessern. Nach Angaben der Firma MSD ist die Zulassung bei der EMA beantragt und wird bis Ende 2015 erwartet. (bmg)

 

DOI: 10.1016/S1470-2045(15)70061-6

 

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27.03.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Chris Leachman