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Hirntumoren und Pille: Studie findet leicht erhöhtes Risiko

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Die längerfristige Einnahme oraler Kontrazeptiva über mindestens fünf Jahre könnte bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren möglicherweise mit einer leichten Erhöhung des Risikos für die Entwicklung eines Glioms verbunden sein, so das Ergebnis einer dänischen Assoziations-Studie, die kürzlich im «British Journal of Clinical Pharmacology» publiziert wurde. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. David Gaist von der Universitätsklinik Odense in Dänemark hatten das Risiko für das Entstehen eines Glioms anhand von Meldungen an dem dänischen Krebsregister errechnet.

In diesem Register sind die Daten aller dänischen Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren enthalten, die zwischen 2000 und 2009 erstmals diesen seltenen Gehirntumor entwickelt hatten. 317 Frauen im gebärfähigen Alter waren in diesem Zeitraum an einem Gliom erkrankt. Anschließend wurde jede dieser Patientinnen mit acht gleichaltrigen Frauen verglichen, die kein Gliom entwickelt hatten. Es zeigte sich, dass 186 der Frauen mit Gliom (58,7 Prozent) vorher orale Kontrazeptiva erhalten hatten. Dagegen hatten 1065 von den 2126 Frauen der Kontrollgruppe (50,1 Prozent) ebenfalls die Pille erhalten, aber kein Gliom entwickelt. Die Auswertung der Studienergebnisse zeigte einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und dem Auftreten eines Glioms. Der Zusammenhang war bei den Frauen, die mit der Minipille (Progesteron ohne Estrogen) verhütet hatten, besonders deutlich.

Laut Gaist müssen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. So sei es wichtig, diese mögliche Erhöhung des Risikos in Zusammenhang mit dem sehr seltenen Auftreten eines Glioms zu sehen: In einer Population von Frauen im gebärfähigen Alter, einschließlich derer, die hormonelle Verhütungsmittel benutzen, sei jährlich mit 5 von 100.000 Menschen zu rechnen, die ein Gliom entwickeln. Gaist bewertet das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer hormonellen Verhütung weiterhin positiv. Nichtsdestotrotz sieht er die Arbeit als wichtigen Beitrag und hofft, dass die Ergebnisse dazu beitragen, weitere Studien über den möglichen Zusammenhang zwischen weiblichen Hormonen und einem möglichen Gliomrisiko durchzuführen. (rt)

DOI: 10.1111/bcp.12535

 

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30.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/areeya_ann