Pharmazeutische Zeitung online

Darmzellen: Direktverbindung ins Gehirn

Der Darm sendet nicht nur über Hormone Signale an das Gehirn. US-amerikanische Forscher haben nun eine Direktverbindung ins Nervensystem über Zellen gefunden. Demnach kontaktieren endokrine Zellen der Darmschleimhaut mit einem armartigen Auswuchs ihres Zytoplasmas auch benachbarte Nervenzellen. Somit könnten Signale aus dem Darmtrakt nicht nur schneller ins Gehirn gelangen, um zum Beispiel Sättigungssignale übermitteln. Auch Viren könnten diesen Weg nutzen, vermuten die Forscher um den Assistenzprofessor Diego Bohórquez von der Duke-Universität in Durham, New Carolina.

 

Dieselbe Arbeitsgruppe hatte die endokrinen Zellen mit den filigranen Fortsätzen erst vor wenigen Jahren beschrieben und als Neuropoden bezeichnet, ohne ihre Funktion zu kennen. Die Forscher brachten nun die Neuropoden in Zellkulturen mit sensorischen Neuronen zusammen. Dabei bildeten sich synapsenartige Verbindungen zwischen den zwei Zellarten, auch über eine größere Entfernung hinweg, schreiben die Wissenschaftler im «Journal of Clinical Investigation». Dass die Verbindung auch funktioniert, zeigte eine Infektion über das Darmlumen mit einem abgeschwächten Tollwutvirus bei Mäusen. Das Virus verbreitet sich normalerweise von Nervenzelle zu Nervenzelle und in diesem Fall auch von Neuropoden zu Neuronen.

 

«Die Studie unterstützt die These, dass es eine reale Biologie des Bauchgefühls gibt», kommentiert Erstautor  Bohórquez in einer Pressemitteilung der Duke-Universität. Die Forscher wollen den Weg ins Hirn nun genau nachvollziehen. (dh)

 

DOI: 10.1172/JCI78361

 

13.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/pixdesign123