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Pille danach: SPD drängt auf Freigabe

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Die SPD drängt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu einer schnellen Freigabe der Pille danach. «Wir müssen Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspannen den Zugang zu entsprechenden Präparaten erleichtern», sagte SPD-Gesundheitsexpertin Martina Stamm-Fibich heute. Erst vor wenigen Tagen hatte die Europäische Arzneimittelagentur EMA empfohlen, das Notfallkontrazeptivum EllaOne® mit dem Wirkstoff Ulipristal aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Gröhe war daraufhin von seiner eisernen Ablehnung gegen eine Freigabe der Pille danach ein Stück weit abgerückt. Unter Umständen könnten neben Ärzten künftig auch Apotheker die betroffenen Frauen umfassend beraten, hatte er erklärt.

Die Europäische Kommission will spätestens Ende Januar endgültig über die Freigabe von EllaOne entscheiden. Weil das Präparat eine zentrale EU-Zulassung besitzt, ist der Beschluss grundsätzlich bindend für alle Mitgliedstaaten. Trotzdem könnte Deutschland die Weisung aus Brüssel theoretisch umgehen. So erlaubt eine EU-Richtlinie den einzelnen Ländern, Verkauf, Lieferung und Gebrauch von empfängnisverhütenden oder schwangerschaftsunterbrechenden Arzneimitteln einzuschränken oder zu verbieten. Gröhes Reaktion lässt allerdings vermuten, dass er vor dieser Möglichkeit nicht unbedingt Gebrauch machen möchte.

Stamm-Fibich begrüßte den Kurswechsel des Ministers grundsätzlich. Auch ihre Parteikollegin Mechthild Rawert lobte Gröhes Äußerungen. «Damit passt er sich der Haltung derjenigen an, die schon immer der Meinung waren, Frauen können selbst entscheiden.» Sollte EllaOne tatsächlich aus der Rezeptpflicht fallen, dürfe Gröhe aber nicht allein Ulipristal freigeben, mahnten beide. Vielmehr müsse dann auch Levonorgestrel (LNG) ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sein.

Über diesen Wirkstoff gibt es in Deutschland seit Monaten anhaltende Diskussionen. LNG kommt ebenfalls als Notfallverhütungsmitteln zum Einsatz. In den meisten EU-Ländern gibt es das Präparat bereits ohne Rezept. In Deutschland stellt sich jedoch die Union strikt gegen einen solchen Schritt. Stamm-Fibich sieht keinen Grund dafür, lediglich Ulipristal freizugeben. «Dieser Wirkstoff ist doppelt so teuer wie Levonorgestrel und außerdem weniger gut erforscht», sagte sie. Studien belegten darüber hinaus eindeutig, dass die Sicherheitsprofile beider Wirkstoffe vergleichbar seien.

In der Union macht sich derweil Enttäuschung über die Empfehlung der EMA breit. «Es ist schade, dass unsere Argumente in Brüssel anscheinend nicht gehört werden», sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU). Wichtig sei auch künftig vor allem eine gute und umfassende Beratung zur Pille danach. Um das sicherzustellen, schlägt Spahn ein Modell nach dem Vorbild der Schweiz vor. Demnach könnte es in den Apotheken eine verpflichtende strukturierte Beratung mithilfe spezieller Beratungsbögen geben. Eine Übernahme der Arzneimittelkosten für Minderjährige – so wie die Linkspartei es fordert – hält Spahn nach wie vor nur bei Vorlage eines Rezepts für möglich. «Ansonsten wird die Pille danach wie andere rezeptfreie Medikamente dann nicht mehr von den Kassen bezahlt», so Spahn. (sch)

 

26.11.2014 l PZ

Foto: Fotolia/deeaf (Symbolbild)