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Einheitlicher Medikationsplan: Modellprojekt startet bald

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In Zukunft soll es einen bundeseinheitlichen patientenorientierten Medikationsplan geben, den alle Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte in ambulanter und stationärer Versorgung nutzen sollen. Das hat kürzlich die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) angekündigt und dabei  auf ein Treffen mit Vertretern von Bundesgesundheitsministerium (BMG), Software-Herstellern, ABDA und AKDA, Patientenverbänden und der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft verwiesen.

Im Rahmen von drei Modellprojekten, an denen sich auch Apotheker beteiligen werden, soll zunächst in Thüringen, Sachsen und Nordbayern erprobt werden, ob die Arbeit mit dem Medikationsplan technisch umsetzbar ist. Das stehe nicht in Zusammenhang mit der Arzneimittelinitiative ARMIN, sondern sei ein separates Projekt, erklärte die ABDA auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung. Weitere Details dürfe man derzeit noch nicht verraten.

Der bundeseinheitliche patientenorientierte Medikationsplan ist Teil des „Aktionsplans zur Verbesserung der Arzneimittel-Therapiesicherheit in Deutschland“, der bereits seit 2008 läuft und Mitte 2013 für die folgenden zwei Jahre fortgeschrieben wurde. Er beinhaltet zahlreiche Projekte und Forschungsvorhaben, um die Arzneimittel-Therapiesicherheit  (AMTS) zu verbessern.

Ein wesentlicher Teil ist dabei die Durchsetzung eines einheitlichen Formulars zur Erfassung der gesamten Medikation eines Patienten. Derzeit existieren zahlreiche Medikationsplan-Varianten der verschiedenen Software-Hersteller für Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Pflegeheime. Da es Unterschiede gibt, können diese Medikationspläne jedoch nicht von allen am Medikationsprozess Beteiligten genutzt werden, heißt es in der Pressemitteilung der AkdÄ. «Mit einem bundeseinheitlichen Medikationsplan können wir einen großen Schritt zur Verbesserung der Interoperabilität und damit der AMTS in Deutschland machen», sagte eine BMG-Vertreterin. Vor allem die Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, zwischen Haus- und Fachärzten und auch zwischen Ärzten und Apothekern sollen verbessert werden, um so die Gefahr von  Medikationsfehlern zu verringern.

Laut einem Interview mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), das das BMG gestern auf seiner Website veröffentlichte,  soll ein standardisierter Medikationsplan Teil des geplanten E-Health-Gesetzes werden.

Nach Informationen des «Deutschen Ärzteblatts» starten die Modellprojekte bereits zwischen November 2014 und Januar 2015. Zunächst sollen vor allem Hausärzte und Apotheker die Einführung des Patienten in den Gebrauch des Medikationsplans übernehmen. Je nach Projektansatz sollten Patienten mit drei bis fünf Arzneimitteln rekrutiert werden, schreibt das «Ärzteblatt». Nach der detaillierten Beschreibung zum Medikationsplan der Koordinierungsgruppe aus dem Dezember 2013 sollen auch Apotheken den Medikationsplan erstellen können. (dh)

Spezifikation für einen patientenbezogenen Medikationsplan (PDF; externer Link)

 

12.11.2014 l PZ

Foto: Fotolia/W. Heiber Fotostudio