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Ibrutinib: Neuer Kinasehemmer bei Blutkrebs

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Mit Ibrutinib (Imbruvica® von Pharmacyclics Switzerland/Janssen) wurde in der EU ein Medikament zugelassen, das bei zwei seltenen Blutkrebsformen indiziert ist. Zum einen kann der Tyrosin-Kinasehemmer eingesetzt werden bei erwachsenen Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL), die nach einer Therapie einen Rückfall erlitten haben oder nicht auf die Therapie ansprachen. Zum anderen ist er indiziert für erwachsene Patienten mit chronischer Lymphozytenleukämie (CLL), die mindestens eine vorherige Behandlung erhielten, oder als First-line-Therapie für Patienten, bei denen die Diagnose einer genetischen Mutation (17p-Deletion oder Mutation von TP53) vorliegt und die nicht mit einer Chemoimmuntherapie behandelt werden können.

 

Ibrutinib inhibiert die Bruton-Tyrosinkinase (BTK) und ist laut Hersteller das erste Medikament seiner Klasse. Das Enzym ist Teil einer Signalkaskade, die nach Aktivierung des B-Zell-Rezeptors abläuft. Wird die Kinase blockiert, wird die unkontrollierte Vermehrung der B-Lymphozyten behindert. Die Tablette wird einmal täglich eingenommen.

 

Die EU-Zulassung basiert auf den Ergebnissen mehrerer klinischer Studien. Unter anderem wurden in zwei Studien hohe Remissionsraten bei Patienten mit therapie-resistenten Formen von chronischer lymphatischer Leukämie (CCL) und Mantelzell-Lymphom (MCL). Als Teil der Zulassung muss ein Pharmakovigilanz-Programm implementiert werden.

 

Das MCL ist eine seltene und aggressive Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Es tritt gewöhnlich in den Lymphknoten auf, kann sich jedoch auf anderes Gewebe wie das Knochenmark, die Leber, die Milz und den Magen-Darm-Trakt ausbreiten.

 

Die CLL, die vorwiegend bei älteren Menschen auftritt, ist ein sich langsam ausbreitender Krebs, der in den weißen Blutkörperchen im Knochenmark beginnt. Befinden sich die Krebszellen überwiegend in den Lymphknoten, wird die Erkrankung als kleinzelliges B-Zell-Lymphom (small lymphocytic lymphoma, SLL) bezeichnet. Der Mittelwert für das Gesamtüberleben liegt für gewöhnlich zwischen 18 Monaten und mehr als zehn Jahren, abhängig vom Stadium der Erkrankung. (rt)

 

DOI: 10.1056/NEJMoa1306220

DOI: 10.1056/NEJMoa1215637

 

21.10.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Emir Jordamovic