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Zusatzbeiträge: Kassen umgehen direkten Preisvergleich

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Ab 2015 dürfen die Krankenkassen ihre Beitragshöhe wieder selbst bestimmen. Das hat die Koalition mit ihrem sogenannten GKV-Finanzstrukturgesetz festgelegt. Gleichzeitig verpflichtet die Gesetzesnovelle die Versicherer aber auch zu mehr Transparenz bei den Zusatzbeiträgen. Doch die Möglichkeit eines direkten Preisvergleichs wollen die Kassen den Versicherten anscheinend nicht ermöglichen. Das geht aus einer Beschlussvorlage für den Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands hervor, über die die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) heute berichtet hatte. 

 

Die schwarz-rote Finanzreform der Kassen sieht vor, den paritätischen Beitragssatz von derzeit 15,5 Prozent ab 1. Januar 2015 auf 14,6 Prozent zu senken. Der Arbeitgeberanteil wird bei 7,3 Prozent festgeschrieben. Von den Versicherten können die Kassen aber bei Bedarf einen prozentualen Zusatzbeitrag verlangen. Nach Angaben der FAZ sollen die verschiedenen Beitragssätze ab kommendem Jahr zwar auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands veröffentlicht werden. Aber es soll laut GKV-Beschlussvorlage keine Suchfunktion für Preisvergleiche geben. «Die Liste ist nicht sortierbar nach der Höhe des Zusatzbeitrags und ist wie bisher nach Krankenkassennamen sortiert», zitiert die FAZ aus der Vorlage. Nach dem Willen der Kassen sollen die Versicherten in einem Brief auf die Liste im Internet hingewiesen werden. Um den günstigsten Anbieter zu finden, wird sich dann aber jeder mühsam durch die einzelnen Krankenversicherungsanbieter klicken müssen. «Auf der Seite der Krankenkassenliste wird es einen Hinweis geben, dass der Versicherte neben dem Preis insbesondere auch auf die Leistungen und den Service der einzelnen Krankenkasse achten solle», heißt es weiter in dem GKV-Papier.

 

Bei führenden Gesundheitspolitikern der Koalition stoßen die Pläne auf Missbilligung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Professor Karl Lauterbach sagte der FAZ, dies sei der «lächerliche Versuch, das Gesetz ein Stück weit auszuhebeln». Zudem stelle sich nun die Frage, ob die Kassen etwas zu verbergen hätten. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, zeigt sich nach Angaben der Zeitung erstaunt «über die Angst der Kassen vor mehr Preistransparenz». Die Liste erfülle nicht die vom Gesetzgeber gestellten Anforderungen, kritisierte er und kündigte an, die Kassen gegebenenfalls zu mehr Transparenz zu zwingen. «Es wäre armselig, wenn wir jetzt noch die Details einer verbraucherfreundlichen Veröffentlichung per Gesetz regeln müssten, aber die Kassen legen es ja quasi darauf an», sagte Spahn der Zeitung. (et)

 

04.09.2014 l PZ

Foto: Fotolia/dgmata