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Giftnotrufe: Pilze haben wieder Hochsaison

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Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen schlägt Alarm: Mehr Menschen als in früheren Jahren haben sich in diesem Sommer mit Pilzen vergiftet. Die Zahl der Notrufe sei in den vergangenen Wochen drastisch gestiegen, sagte der Mediziner Andreas Schaper der Deutschen Presse-Agentur. In normalen Jahren erhalte das für die Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständige GIZ-Nord etwa 300 Anfragen wegen möglicher Pilzvergiftungen. «Wenn es so weiter geht, werden es diesmal doppelt so viele.»

 

Grund für die besorgniserregende Entwicklung sei das durch Wärme und Feuchtigkeit begünstigte starke Pilzwachstum seit August, sagte Schaper. Der Problem: «Ein gutes Pilz-Jahr ist meistens auch ein starkes Pilzvergiftungs-Jahr.» Die vielen Pilze verleiteten auch unerfahrene Menschen zum Sammeln und Verzehren. «Meistens rufen die Leute dann an, wenn sie die Pilze schon gegessen haben und ihnen schlecht ist», sagte Schaper. An vielen Tagen bekomme das GIZ-Nord derzeit ein halbes Dutzend entsprechender Anrufe, manchmal auch mehr.

 

Besonders gefährlich sei es, Knollenblätterpilze zu verzehren. Deren Gift führe zu Durchfall, Erbrechen und Leibschmerzen. In schweren Fällen greife es die Leber an und könne bis zu deren völliger Zerstörung führen. Auch in diesem Sommer habe es bereits eine Reihe mittelschwerer Vergiftungen durch Knollenblätterpilze gegeben, zum Glück aber (anders als in früheren Jahren) noch keine Todesfälle, sagte der Experte. Bei Verdacht auf Knollenblätterpilzvergiftung müssten die Patienten auf jeden Fall stationär behandelt werden. Er warne «dringend davor, Pilze zu sammeln und zu essen, die man nicht hundertprozentig kennt», sagte Schaper. Leider gebe es aber nach wie vor viele Sammler, die unbedarft vorgingen und sich dann über die Folgen wunderten. Die GIZ-Experten gehen davon aus, «dass die Vergiftungssaison noch wochenlang anhält».

 

Auch beim Giftnotruf Berlin-Brandenburg an der Berliner Charité laufen derzeit wieder viele Anrufe ein. «In Schnitt erreichen uns pro Jahr circa 400 Anrufe zu möglichen Pilzvergiftungen», sagte die Leiterin Daniela Acquarone. In einem guten Pilzjahr können es auch mehr sein. So erreichten im vergangenen Jahr die Charité-Fachleute fast 500 Anrufe; 2010 waren es sogar noch mehr.

 

Oftmals suchten auch Kliniken den Rat der Experten. Am Telefon würden aber keine Pilze bestimmt. Vielmehr gehe um die Versorgung der Anrufer mit wichtigen Informationen, etwa, wo Pilzsachverständige oder Fachärzte zu finden sind. Die Zahl der Anrufe lässt Acquarone zufolge keine Rückschlüsse auf die Zahl tatsächlicher Pilzvergiftungen zu. Diese sei aber deutlich niedriger, eine Statistik dazu aktuell nicht verfügbar. Generell rät die Expertin zur Vorsicht beim Pilzverzehr. «Wenn man sich nach dem Sammeln unsicher fühlt, sollte das Körbchen einem Sachverständigen zur Begutachtung vorgestellt werden.»

 

10.09.2014 l dpa

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