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Cannabis: Qualitätsanbau ist auch für Profis schwierig

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Standardisiertes Cannabis für medizinische Zwecke anzubauen ist keine banale Angelegenheit. Doch um als Arzneimittel akzeptiert und zentral zugelassen zu werden, muss es in verlässlicher Qualität verfügbar sein. «Dafür braucht es eine qualitative Züchtung», forderte Professor Dr. Oliver Kayser von der Technischen Universität Dortmund beim Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung im portugiesischen Guimaraes. So sei der durchschnittliche THC-Gehalt von Cannabis-Proben aus den Niederlanden zwischen 2001 und 2009 von 8,7 Prozent auf 19,1 Prozent gestiegen; in den Coffeeshops betrage er mittlerweile sogar rund 22 Prozent.

 

Doch die Standardisierung auf die Leitsubstanz Tetrahydrocannabinol (THC) allein reiche nicht für ein gutes und akzeptiertes Arzneimittel, gab Dr. Arno Hazekamp zu bedenken. Das bekomme sein Arbeitgeber Bedrocan bereits problemlos hin. Die niederländische Firma ist derzeit das einzige Unternehmen in Europa, das legal Cannabis zu medizinischen und Forschungszwecken anbaut. Die unter kontrollierten Bedingungen gezüchteten Cannabisblüten können auch in Sonderfällen auf ärztliches BtM-Rezept nach Deutschland importiert werden.

 

Derzeit standardisiere das Unternehmen in erster Linie anhand des THC- und Cannabidiol-Gehalts. Dabei seien bislang bereits mehr als 70 Cannabinoide  und mehr als 500 andere Sekundärstoffe aus der Pflanze bekannt. Beim Profil spiele auch die Varietät der Pflanze eine Rolle. Die Firma hat verschiedene Züchtungen im Angebot, darunter auch eine aus Cannabis indica, von der Patienten berichten, dass sie das Schlafverhalten positiver beeinflusse als zum Beispiel Cannabis-sativa-Züchtungen.

 

«Wir brauchen dringend noch bessere klinische Studien», so Hazekamp. Bislang stütze sich die Behandlung auf Erfahrungswerte. Die Patienten seien bei der Dosis und Applikationsart oft auf sich allein gestellt. Die Cannabisblüten können geraucht, verdampft, als Tee oder in Lebensmitteln verarbeitet werden, was sich ganz unterschiedlich auf die Bioverfügbarkeit und damit die Dosis auswirkt.

 

Bedrocan arbeite derzeit beispielsweise an einem Inhalator, mit dem eine genauere Dosierung möglich sein soll, ohne sich den schädlichen Tabakstoffen eines Joints auszusetzen. Dazu strebt das Unternehmen klinische Studien an. «Cannabis hat das Zeug, die Grenze zwischen der Alternativmedizin und den sogenannten modernen Arzneistoffen zu durchbrechen», ist sich Hazekamp sicher. Dafür solle es als standardisiertes Medikament auch einen formalen Zulassungsprozess durchlaufen.

 

Die Forscher forderten, die Vorurteile gegenüber der Droge Cannabis über Bord zu werfen – im Sinne vieler unzureichend behandelbarer chronisch kranker Patienten, die sich nicht mit Ware ohne pharmazeutische Qualität behelfen sollen müssen. Schon bei der Ware aus Coffeeshops habe man Probleme mit mikrobiellen Verunreinigungen, Pestiziden oder Schwermetallen, von illegalem Stoff ganz zu schweigen. (db)

 

03.09.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Jaroslav Moravcik