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Ausdauertraining unter Umständen ohne Nutzen

Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Ausstattung nicht von Ausdauersport profitieren. Darauf machte Professor Dr. Theo Dingermann (Foto) von der Universität Frankfurt am Main auf der Messe Expopharm in München aufmerksam. Wer im Gen für das Enzym saure Ceramidase eine Mutation aufweist, spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf Ausdauertraining an, so Dingermann. Das hätten Wissenschaftler herausgefunden, nachdem sie sich die genetische Ausstattung von sogenannten Ausdauersport-Non-Respondern näher angeschaut haben. Dingermann sagte, dass das Enzym saure Ceramidase bei ihnen dramatisch stark inaktiviert war. Das führt dazu, dass Ceramid nicht abgebaut wird und im Körper akkumuliert. Infolgedessen kommt es zur Insulinresistenz, weil das Insulin-Rezeptor-Signal durch Ceramid aufgehalten wird.

 

Eine Ausrede, komplett auf Sport zu verzichten, haben die Betroffenen dennoch nicht. Sie sprechen nur auf aerobes Training nicht an. Dingermann empfahl ihnen, täglich ein kurzes, dafür aber hoch intensives anaerobes Training zu absolvieren. Das können zum Beispiel Sprints sein. «Eine Minute sprinten, dann eine kurze Pause, dann wieder sechzig Sekunden sprinten», gab Dingermann vor. Dieses anstrengende Programm sollte man über circa sieben Minuten durchführen. Das anaerobe Training führe dazu, dass Glykogenspeicher im Körper schneller entleert werden und der Abbau von Triglyceriden früher einsetze.

 

Zurück zum aeroben Training: Auch hier haben Studien überraschende Ergebnisse gezeigt. Wie Dingermann informierte, brachte in einer Untersuchung Walking nämlich mehr als moderates Jogging. Personen, die pro Woche 13 Meilen (rund 21 Kilometer) walkten und dafür 170 Minuten benötigten, profitierten von der körperlichen Betätigung überraschenderweise mehr als Personen, die pro Woche 13 Meilen liefen und dafür 120 Minuten brauchten. Der Body-Mass-Index sank in der ersten Gruppe stärker als in der zweiten Gruppe. Auch die Insulinresistenz und die Triglycerid-Werte wiesen bei ihnen eine stärkere Verbesserung auf. «Walking ist eine sehr effektive Trainingsmaßnahme», sagte Dingermann. Es komme anscheinend mehr darauf an, wie lange man Sport macht und weniger, wie intensiv dieser ist. (ss)

 

19.09.2014 l PZ

Foto: PZ7Alois Müller