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Thüringen: Wildschweine immer noch radioaktiv belastet

28 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl sind in Thüringen etliche Wildschweine noch immer so sehr verstrahlt, dass ihr Fleisch nicht verkauft werden darf. Voriges Jahr wurden laut Gesundheitsministerium 586 erlegte Tiere untersucht und bei fast jedem zehnten der Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm überschritten. Ein Ende des Problems sei nicht abzusehen, da sich die Cäsium-Belastung nur alle 30 Jahre halbiere, sagte die Leiterin des Referats für Lebensmittelüberwachung, Karin Schindler, der Nachrichtenagentur dpa.

 

Wildschweine sind laut Schindler deswegen stärker betroffen als andere Wildtiere, weil sie im Waldboden wühlen, wo sich das Cäsium besonders lange hält. «Sie nehmen dabei in großem Umfang Pilzmyzel auf, in dem sich Cäsium besonders stark anreichert.» Wildschweine, die in dichten Waldgebieten leben, sind daher stärker betroffen als diejenigen, die sich verstärkt auf Wiesen und Feldern rumtreiben.

 

Untersucht werden aber nicht alle geschossenen Wildschweine. Vielmehr gibt es ein abgestuftes System mit Schwerpunktgebieten, in denen alle Tiere getestet werden müssen, Jagdbezirken, in denen nur Stichproben von jedem fünften Tier untersucht werden und den übrigen Landesteilen mit noch kleineren Stichproben, erläuterte Schindler.

 

Die Untersuchungen werden erst fällig, wenn das Fleisch verkauft oder verschenkt werden soll, erläuterte Schindler. Erlegt ein Jäger ein Tier für den eigenen Verzehr, ist das nicht nötig. «600 Becquerel ist ein sehr niedriger Grenzwert. Wenn man das einmal isst, ist das kein Problem.» Doch wird das Fleisch positiv getestet, muss es entsorgt werden; der Jäger wird dafür entschädigt.

 

18.08.2014 l dpa

Foto: Fotolia/Isselée