Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Beckenendlage: Kaiserschnitt ist sicherste Option

 

Ein geplanter Kaiserschnitt ist bei fetaler Beckenendlage die sicherste Option für das Kind. Dies zeigen Daten einer aktuellen Untersuchung aus den Niederlanden, die nun im Fachjournal «Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavic«» veröffentlicht wurde. In diesem Land liegt die Sectio-Rate sehr niedrig, derzeit bei etwa 17 Prozent. Auch bei Beckenendlage des Kindes werden noch 40 Prozent aller Entbindungen als vaginale Geburt geplant. Vor demVeröffentlichung der medizinischen Studie «Term Breech Trial» im Jahr 2000 lag die Rate sogar noch höher. Die Studie hatte gezeigt, dass vaginale Geburten bei Beckenendlage eine höhere Neugeborenen-Sterblichkeit bedingen als geplante Kaiserschnitte, war jedoch auch methodisch kritisiert worden.

Um zu untersuchen, inwieweit die Zunahme an geplanten Kaiserschnitten sich auf die Neugeborenen-Sterblichkeit auswirkt, haben Dr. Floortje Vlemmix und ihre Kollegen von der Universität Amsterdam Daten aus dem niederländischen Perinatalregister von 1999 bis 2007 analysiert. Sie werteten die Daten von insgesamt 58.320 Frauen mit einer Beckenendlage des Kindes zum Geburtstermin aus. Die Forscher stellten eine Zunahme der Rate an geplanten Kaiserschnitten von 24 auf 60 Prozent fest. Diese ging mit einem Rückgang der Perinatal-Mortalität von 1,3 per Tausend Geburten auf 0,7 per Tausend Geburten einher, berichten die Forscher. In der Gruppe der geplanten vaginalen Entbindungen bei Beckenendlage blieb die Mortalität dagegen unverändert hoch (1,7 versus 1,6 pro Tausend Geburten).

Insgesamt wurden jährlich 1692 zusätzliche Kaiserschnitte (geplante und Notfallkaiserschnitte zusammengenommen) durchgeführt. Diese verhinderten insgesamt fünf Todesfälle pro Jahr und 30 Geburtstraumata bei Neugeborenen, rechnen die Autoren um Vlemmix vor. Für das Kind berge die Sectio somit die geringsten Risiken. Diese Vorteile gelte es abzuwägen gegen die Nachteile eines Kaiserschnitts für die Mutter wie etwa Narben am Uterus und deren Konsequenzen für nachfolgende Schwangerschaften oder Embolien und Infektionen.

In Deutschland entscheiden sich 80 Prozent der Frauen, deren Kind zum Geburtstermin in Beckenendlage liegt, für einen geplanten Kaiserschnitt. In den Niederlanden liegt die Frühgeborenensterblichkeit laut Daten aus dem «European Perinatal Health Report» von 2010 um etwa 40 Prozent höher als in Deutschland. (ch)

doi: 10.1111/aogs.12449

 

15.08.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Jiri Miklo