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Blutkrebs: Zulassung von zwei neuen Arzneistoffen empfohlen

In der EU kommen voraussichtlich bald zwei neue Kinasehemmer für Patienten mit bestimmten, seltenen Formen von B-Zell-Lymphomen auf den Markt. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA empfahl die Zulassung von Ibrutinib (Imbruciva® von Janssen-Cilag) und Idelalisib (Zydelig® von Gilead Sciences). Beide Arzneistoffe sind für erwachsene Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) gedacht, die mindestens eine Therapie bereits erfolglos hinter sich gebracht haben. Als Erst-Linien-Therapie sollen die Mittel außerdem bei Patienten eingesetzt werden, bei denen andere Chemotherapien aufgrund einer genetischen Mutation (17p-Deletion und TP53-Mutation) wirkungslos bleiben.

Ibrutinib ist zudem indiziert bei erwachsenen Patienten mit Mantelzell-Lymphom, die auf andere Therapien nicht ansprechen oder bei denen der Krebs zurückgekommen ist. Idelalisib hat als weitere Indikation das follikuläre Lymphom gelistet, wenn bei den Betroffenen zwei vorangegangene Therapien versagt haben.

All diese Blutkrebsformen gelten als selten und haben eine sehr schlechte Prognose. Etwa 3,7 von 10.000 Europäern leiden unter einem follikulären Lymphom. CLL betrifft rund 3 von 10.000 Patienten in der EU. Während diese beiden Lymphom-Arten jeweils weniger als 200.000 Europäer betreffen, tritt das Mantelzell-Lymphom mit rund 15.000 Fällen in der EU noch seltener auf.

Sowohl Ibrutinib als auch Idelalisib hemmen hyperaktive Tyrosinkinasen, haben jedoch neue, unterschiedliche Angriffspunkte. Ibrutinib inhibiert die Bruton’s-Tyrosinkinase (BTK). Idelalisib blockiert die Phosphoinositol-3-Kinase-delta (PI3K-d). Beide Enzyme spielen eine wichtige Rolle für das Wachstum, die Migration und das Überleben von B-Zellen.

Zum Nutzen von Ibrutinib erschien kürzlich eine Studie im Fachmagazin «New England Journal of Medicine». Darin erzielte der Kinasehemmer im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard, dem monoklonalen Antikörper Ofatumumab (Arzerra®), eine höhere Remissionsrate bei besserer Verträglichkeit. Nach zwölf Monaten hatten unter Ibrutinib 90 Prozent der Patienten überlebt im Vergleich zu 81 Prozent unter Ofatumumab. Das Sicherheitsprofil gilt als relativ günstig, auch wenn (wie bei allen Tyrosinkinase-Hemmern) mit zahlreichen leichten bis schweren Nebenwirkungen zu rechnen ist. Gegenüber dem Medizinjournal «Medscape» sagte der Freiburger Onkologe Professor Dr. Justus Duyster: «Diese Studie wird das Management der CLL verändern.» Es handle sich um ein enorm wichtiges Medikament, dessen Zulassung dringend erwartet werde. (db)

doi: 10.1056/NEJMoa1400376 (Studie im NEJM)

 

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28.07.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Emir Jordamovic