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Polymedikation: Problemlöser Krankenhausapotheke

Auch im stationären Bereich können Apotheker zur Lösung der Polymedikations-Problematik einiges beitragen. Das machte Apothekerin Beate Heite bei der Fachtagung «Polymedikation und Patientensicherheit» des Bundeverbands Managed Care Regional NRW gestern in Münster deutlich. Die Pharmazeutin am Prosper-Hospital Recklinghausen zeigte auf, wie an einem Krankenhaus die Implementierung eines interprofessionellen Medikationsmanagements gelingen kann.

In einem Pilotprojekt wurde bei 113 geriatrischen Patienten die Eingangsmedikation erfasst und diese mithilfe der ABDA-Datenbank auf Interaktionen überprüft. Die Ergebnisse wurden schriftlich fixiert und mit dem Arzt besprochen. Insgesamt fanden die Pharmazeuten bei 1070 verabreichten Medikamenten 408 Interaktionsmeldungen, das heißt bei sage und schreibe 38 Prozent der Medikamente waren Interaktionen beschrieben.

«Hat der Apotheker Zugriff auf die patientenbezogene Medikation, ermöglicht dies pharmazeutisches Fachwissen einzubringen und konkrete Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie zu machen», sagte Heite. Die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker könne als gewinnbringend im Sinne einer Erhöhung der Arzneimittel-Therapiesicherheit  (AMTS) angesehen werden. Die Mediziner des Krankenhauses sind offenbar der gleichen Meinung. Sie plädierten nämlich dafür, das Projekt fortzusetzen und sogar auszubauen.

Mittlerweile wurde der Interaktions-Check auf ein Medikationsmanagement ausgeweitet. Heite und Kollegen nehmen dafür eine Analyse der gesamten Medikation des Patienten vor, einschließlich der Selbstmedikation. Ziel sei es, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu lösen. Auch bei dieser Service-Dienstleistung wollten sich die Pharmazeuten nicht allein auf das positive Feedback von Patienten, Angehörigen und Medizinern verlassen. Bei 100 Patienten verglichen sie die Daten der Aufnahme- und der Entlassmedikation. Das Ergebnis: Vorgeschlagene pharmazeutische Interventionen wurden zu 72 Prozent in der Entlassmedikation umgesetzt, die Zahl der eingesetzten Wirkstoffe konnte um mehr als 5 Prozent gesenkt werden und die Gesamtzahl an Wechselwirkungen ließ sich um knapp ein Viertel reduzieren.

Es ist also kein Wunder, dass nun auch andere Krankenhausstationen diese Dienstleistungen der Krankenhausapotheke in Anspruch nehmen. Heite zufolge zeigen sich auch andere Krankenhäuser an diesem Projekt interessiert. Zudem werde sie zu Ärzte-Fortbildungen zum Thema Interaktionen als Referentin eingeladen.

Laut der Krankenhausapothekerin steigt auch bei den Geschäftsführern von Kliniken das Interesse am Thema Arzneimittel-Therapiesicherheit. Zum einen spiele Risikomanagement zunehmend eine Rolle in Krankenhäusern. Zum anderen sei die Situation auf dem ärztlichen Arbeitsmarkt, das heißt das Problem der Neubesetzung freier Stellen, ein Grund, weshalb Klinikchefs nun verstärkt auch auf pharmazeutische Kompetenz setzen. Insgesamt gibt es laut Heite beim Thema Polymedikation aber noch vieles zu tun. Zum Beispiel sprach sie sich für eine bessere Vernetzung mit den einweisenden Ärzten und den öffentlichen Apotheken aus. (ss)
 

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19.06.2014 l PZ

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