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Biobanken: Nationale Kohorte gestartet

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Biobanken bieten Forschern eine gute Möglichkeit, Krankheits­ursachen systematisch und im Großmaßstab auf den Grund zu gehen. Ganz neu ist das Projekt «Nationale Kohorte». Im Mai startete die Langzeitstudie «Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft – Die Nationale Kohorte». Dagegen sind die zwei größten DNA-Biobanken in Deutschland – im süddeutschen Raum KORAgen, im Norden PopGen – deutlich älter. Sie sind innerhalb des Nationalen Genomforschungsnetzes entstanden.

 

An der Nationalen Kohorte ist ein Netzwerk deutscher For­schungseinrichtungen beteiligt. Ziel ist es, durch Bioproben und langfristige Beobachtung von rund 200.000 Probanden Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie genetische Faktoren, Umweltbedingungen, soziales Umfeld und Lebensstil ineinandergreifen. «Die Fallzahl ist so hoch, weil wir verschiedene Faktoren in ihrem Zusammenwirken unter­suchen wollen», erklärte Professor Dr. Karl-Heinz Jöckel, wissenschaftlicher Vorstand der Nationalen Kohorte, vor Medizinjournalisten in München. Im Fokus stünden große Volks­krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Lungen- und Infektions­krankheiten sowie neurodegenerative und neuropsychiatrische Erkrankungen.

 

«Wir haben gerade im Raum Augsburg begonnen, per Zufallsstichprobe Personen zwischen 20 und 69 Jahren zu rekrutieren», berichtet Dr. Jakob Linseisen, Leiter des wissenschaftlichen Projektmanagements der Nationalen Kohorte am Helmholtz Zentrum München, im Gespräch mit der PZ. «Alle Probanden erhalten ein Basisuntersuchungsprogramm. Ein Fünftel der Teilnehmer wird ausführlicher untersucht, sodass wir noch deutlich mehr Parameter gewinnen. Ein Teil dieser Probanden wiederum erhält zudem eine Ganzkörperaufnahme mithilfe von Magnetresonanztomografie (MRT)», erläuterte der Wissenschaftler. Zusätzlich archiviert die Nationale Kohorte Blutproben.

 

Alle Studienteilnehmer werden laut Jöckel in fünf Jahren erneut untersucht. Geplant ist zudem eine Untersuchung und Befragung nach zehn Jahren. Vorgesehen ist es, die Studie bis zu 30 Jahre lang fortzuführen. Praktischen Nutzen wird die Datensammlung wohl erst künftigen Generationen bringen. «Wir schaffen eine Infrastruktur für die Forschung», erklärte der Epidemiologe. «Erste echte Ergebnisse werden wir wohl erst nach fünf Jahren sehen.» (hg/bmg)

 

Mehr zum Thema Biobanken lesen Sie im Titelbeitrag «Biobanken: Verborgene Schätze für die Forschung»

 

18.06.2014 l PZ

Foto: Fotolia/adimas