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Schizophrenie: SGA nicht immer überlegen

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Antipsychotika sind eine hoch wirksame Stoffgruppe und meistens unverzichtbar in der Therapie von Patienten mit Schizophrenie. Es gibt jedoch keine Priorität für eine einzelne Substanz. Die Unterschiede zwischen Antipsychotika der ersten Generation (FGA) und der zweiten Generation (SGA; «Atypika») liegen eher im Nebenwirkungsprofil als in der Wirksamkeit, erklärte Privatdozent Dr. Alkomiet Hasan (Foto), München, beim Pharmacon in Meran. Bei der Auswahl eines Antipsychotikums sollte der Arzt sich vorwiegend an den Nebenwirkungen und der Erfahrung des Patienten orientieren, sagte der Psychiater.

 

Lange Zeit wurden Atypika bevorzugt. Studien hätten jedoch gezeigt, dass es dafür bezüglich Wirksamkeit keine Evidenz gibt. Es gebe auch keinen Nachweis für eine Überlegenheit bei der Behandlung von Negativsymptomen oder kognitiven Störungen bei Schizophrenie-Patienten. «Entscheidend für den Therapieerfolg sind die motorischen Nebenwirkungen, die bei älteren Wirkstoffen häufiger auftreten», erklärte der Psychiater. Daher würden Patienten diese Therapien häufiger abbrechen. Metabolische Nebenwirkungen und Gewichtszunahme gingen dagegen eher auf das Konto der Atypika. Die Ärzte müssten Antipsychotika individuell auswählen und viel genauer auf somatische Komorbiditäten des Patienten achten.

 

Hasan wies auf etliche neue Erkenntnisse in der Schizophrenie-Therapie hin. So soll in der Langzeittherapie immer kontinuierlich, nicht intermittierend behandelt werden. Eine Kombitherapie werde in Leitlinien nicht empfohlen, aber in der Praxis bekommen etwa 60 Prozent der Patienten eine Kombination. Bei Therapieresistenz sei Clozapin klar überlegen, aber in Deutschland werde «eher kombiniert als Clozapin verordnet», monierte der Arzt.

 

Wenn der Patient Clozapin bekommt, muss nicht nur das Blutbild engmaschig kontrolliert, sondern es sollten auch die Blutspiegel gemessen werden, sagte Hasan. Meist seien Plasmaspiegel über 350 ng/ml notwendig für den Therapieerfolg. Therapeutisches Drug Monitoring sei hier wichtig. Bei therapierefraktären Patienten könne man Clozapin kombinieren mit anderen Psychopharmaka. (bmg)

 

26.05.2014 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller