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Metaanalyse: Tamoxifen kann Brustkrebs vorbeugen

Frauen mit hohem und mittlerem Brustkrebs-Risiko entwickeln seltener ein Mammakarzinom, wenn sie vorbeugend Tamoxifen oder einen anderen selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM) einnehmen. Der Schutzeffekt zeigt sich nicht nur unter einer fünfjährigen Therapie, sondern hält auch während der darauf folgenden fünf Jahre an. Das berichten Wissenschaftler um Professor Dr. Jack Cuzick von der Queen Mary Universität in London im Fachmagazin «The Lancet». Die jetzt veröffentlichte Metaanalyse bekräftigt positive Daten zur Brustkrebs-Prävention mit SERM, die Cuzicks Team bereits vor zehn Jahren vorgelegt hatte.

 

Die Forscher werteten Daten von knapp 83.400 Frauen aus, die zur Brustkrebs-Prävention entweder Tamoxifen, Raloxifen, Arzoxifen oder Lasoxifen erhielten. Als Vergleich diente Placebo oder in einer Studie Tamoxifen. Die Einnahme eines SERM senkte das Brustkrebs-Risiko der Frauen um 38 Prozent. Aus den Daten ergab sich eine number needed to treat von 42; das bedeutet, dass 42 Frauen fünf Jahre lang mit einem SERM behandelt werden mussten, um während der Therapie und den darauf folgenden fünf Jahren einen Brustkrebs-Fall zu verhindern. Der Schutzeffekt bezog sich ausschließlich auf Estrogen-Rezeptor-positive Tumoren, was angesichts des Wirkmechanismus der Arzneistoffe auch nicht verwunderlich ist. Alle verwendeten SERM erhöhten das Thrombose-Risiko und senkten das Risiko für Wirbelbrüche. Unter Tamoxifen stieg zudem die Rate der Endometriumkarzinome.

 

Diese Ergebnisse belegen eindeutig, dass die vorbeugende Einnahme von SERM die Brustkrebs-Rate bei Frauen mit hohem und mittlerem Erkrankungsrisiko signifikant senkt, so das Fazit der Autoren. Trotz ihrer offensichtlichen Wirksamkeit sei die präventive Gabe von SERM jedoch von Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko und ihren Ärzten nicht breit akzeptiert. Die Hauptgründe dafür seien die Furcht vor Nebenwirkungen und der Glaube an ein unvorteilhaftes Nutzen-Risiko-Verhältnis. Vor allem die (befürchteten) Nebenwirkungen der Therapie führen auch bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt waren und Tamoxifen zur Vorbeugung eines Rezidivs einnehmen, zu einer schlechten Langzeit-Compliance. Das hat erst kürzlich eine Studie in «Breast Cancer Research and Treatment» gezeigt.

 

Von den untersuchten Arzneistoffen sind in Deutschland nur Tamoxifen und Raloxifen zugelassen, jedoch beide nicht zur Prävention von Mammakarzinomen. In den USA hat die FDA Tamoxifen in dieser Indikation eine Zulassung erteilt; in Großbritannien empfiehlt das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE), Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko die vorbeugende Einnahme von Tamoxifen oder Raloxifen anzubieten. Lasoxifen wurde von der Firma Pfizer als Osteoporosemittel unter dem Handelsnamen Fablyn® entwickelt. Es lag bereits ein Positivvotum des Ausschusses für Humanarzneimittel der EMA vor, doch nachdem die FDA die Zulassung in den USA nicht erteilte, brachte der Hersteller das Mittel auch in Europa nicht auf den Markt. Die Entwicklung von Arzoxifen stellte die Firma Lilly 2009 ein, nachdem der ebenfalls gegen Osteoporose getestete Arzneistoff in einer Studie enttäuschende Ergebnisse erbracht hatte. (am)

 

doi: 10.1016/S0140-6736(13)60140-3 (aktuelle Studie von Cuzick et al.)
doi: 10.1016/S0140-6736(03)12342-2 (frühere Studie von Cuzick et al.)

 

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Tamoxifen: Viele Frauen brechen Therapie ab, Meldung vom 11.04.2013

 

10.05.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki