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Männergesundheit: Die Psyche ist tabu

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Um die psychische Gesundheit von Männern ist es in Deutschland sehr viel schlechter bestellt als um die von Frauen. Das ist ein Ergebnis des Männergesundheitsberichts 2013, den die Stiftung Männergesundheit zusammen mit der Krankenversicherung DKV heute in Berlin vorgestellt hat. «Psychische Störungen bei Männern werden unterschätzt, unterdiagnostiziert und unterbehandelt», sagte Professor Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Männer mit psychischen Problemen häufig keine Hilfe suchten, da sie aufgrund überholter Männlichkeitsideale Stigmatisierung fürchteten. Auch äußerten sich psychische Erkrankungen bei Männern häufig anders als bei Frauen, was nicht selten dazu führe, dass fälschlicherweise somatische Erkrankungen diagnostiziert würden. Ein Beispiel ist die Depression, die bei Männern oft zu einem Anstieg des Suchtverhaltens, der Aggressivität und der Gewaltbereitschaft führt. Klassische Merkmale einer Depression wie Niedergeschlagenheit, Handlungsunfähigkeit und Schlafstörungen zeigen Männer zwar auch, sie werden aber häufig von den eher männertypischen Symptomen überlagert oder von den Betroffenen nicht richtig gedeutet.

 

In Deutschland leiden laut Männergesundheitsbericht 9 Prozent der Männer, also 3,6 Millionen an einer diagnostizierten Depression. Dass es vermutlich sehr viel mehr sind, zeigt die Suizid-Statistik: Dreimal mehr Männer als Frauen (7646 versus 2498) nahmen sich 2011 das Leben. Seit 2007 ist die Suizidrate bei Männern um 9 Prozent gestiegen, deutlich mehr als bei Frauen.

 

Dr. Matthias Stiehler, Vorsitzender des Dresdener Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft, warnte davor, bei der Suche nach Lösungen des Problems in Stereotype zu verfallen. «Es geht nicht darum, Männlichkeitsbilder total auf den Kopf zu stellen», sagte Stiehler. Typisch männliche Verhaltensweisen wie Einsatz- und Risikobereitschaft seien bei einseitiger Ausrichtung zweifellos gesundheitsschädlich. Sie könnten aber auch die Grundlage für ein erfülltes und leidenschaftsvolles Leben sein. «Wenn Männer von den derzeitigen Präventionsangeboten häufig nicht erreicht werden, sollte man sich vielleicht einmal die Frage stellen, ob das Angebot ungeeignet ist, statt immer die Schuld bei den angeblichen Präventionsmuffeln Männer zu suchen», so Stiehler. Aktivitäten zur Männergesundheit müssten die positiven männlichen Potenziale fördern. Dazu gehöre auch die Stärkung der männlichen Identität. (am)

 

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24.04.2013 l PZ

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