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Keine Bocksdorn-Beeren für Marcumar-Patienten!

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Der Verzehr von Nahrungsmitteln aus Beeren des Gemeinen Bocksdorn (Lycium barbarum, Synonym: Lycium halmifolium) kann bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar®) oder Warfarin (zum Beispiel Coumadin®) einnehmen, zu einem lebensge­fährlichen Anstieg der Blutungsneigung führen. Vor dieser Nahrungsmittelinteraktion warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im aktuellen «Bulletin zur Arzneimittel­sicherheit». Hintergrund sind mehrere Fallberichte, in denen Ärzte von einem starken Anstieg der INR-Werte von zuvor stabil auf einen Vitamin-K-Antagonisten eingestellten Patienten nach dem Genuss von Bocksdorn-Beeren beziehungsweise von daraus zubereitetem Tee oder Saft berichten.

 

Der Gemeine Bocksdorn oder auch Teufelszwirn ist ein Nachtschatten­gewächs, dessen Beeren seit Langem in der chinesischen Küche und in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden. Sie sind auch als chinesische Wolfsbeeren oder Goji-Beeren im Handel. Ihnen werden diverse heilende beziehungsweise die Gesundheit fördernde Wirkungen zugesprochen, etwa eine Stärkung des Immunsystems, des Herzens, eine Senkung der Blutfettwerte und eine Hemmung des Alterungsprozesses. Laut BfArM werden sie in Form von Tabletten, Tee, Saft oder Marmelade zunehmend auch in Europa vermarktet.

 

Über welchen Mechanismus Bocksdorn-Beeren die Wirkung von Cumarinen verstärken, ist noch nicht geklärt. Diskutiert werden eine Blockade des Cytochrom-P-450-Isoenzyms CYP2C9, eine Interaktion mit P-Glykoprotein, Absorption oder eine antikoagulatorische Wirkung der Beeren selbst. Auf Anregung des BfArM diskutiert jetzt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA über die Aufnahme der Wechselwirkung in die Produktinformationen der Vitamin-K-Antagonisten. (am)

 

28.03.2013 l PZ

Foto: Fotolia/LianeM