Pharmazeutische Zeitung online

Lamotrigin bald gegen Nervenschmerzen?

Datenschutz bei der PZ

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) befürwortet in einer jetzt veröffentlichten wissenschaftlichen Aufbereitung den Einsatz des Antiepileptikums Lamotrigin gegen neuropathische Schmerzen. Bei dieser Art von Schmerzen ist die Ursache für den Schmerzreiz eine akute Schädigung oder Erkrankung der schmerzleitenden Nerven. Da Lamotrigin nicht in dieser Indikation zugelassen ist, handelt es sich um einen Off-Label-Gebrauch. Dieser muss vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) genehmigt werden. Folgt der GBA der Empfehlung des BfArM, können Ärzte das Antiepilektikum künftig gegen neuropathische Schmerzen zu Lasten der Krankenkassen verordnen.

 

Das positive Votum des BfArM steht im Widerspruch zum Ergebnis einer Metaanalyse der renommierten Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2011. Deren Autoren hatten die Einschätzung vertreten, dass es keine ausreichende Evidenz für die Wirksamkeit gebe. Da andere, wirksamere Alternativen zur Verfügung stünden, gebe es für Lamotrigin in dieser Indikation keinen Platz in der Therapie, hieß es.

 

Das BfArM erkennt an, dass die Evidenzlage unbefriedigend ist. Der Off-Label-Gebrauch von Lamotrigin sei dennoch gerechtfertigt, da vor allem bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen nach Schlaganfall Bedarf für alternative Therapieoptionen bestehe. Mit 200 bis 400 mg täglich ist die empfohlene Tagesdosis im Vergleich zur üblichen Erhaltensdosis bei Epilepsie von 100 bis 200 mg hoch. Um die Gefahr von Hautausschlägen zur reduzieren, die als Nebenwirkung häufig auftreten, soll die Dosierung niedrig begonnen und langsam gesteigert werden.

 

Unter neuropathischen Schmerzen leiden Schätzungen zufolge etwa 1 bis 8 Prozent der Bevölkerung. Mediziner unterscheiden periphere neuropathische Schmerzen wie etwa die postherpetische Neuralgie nach Herpes-zoster-Infektion, Phantomschmerzen oder die diabetische Neuropathie von zentral ausgelösten neuropathischen Schmerzen. Letztere können beispielsweise nach Rückenmarksverletzungen, Hirninfarkten beziehungsweise Hirnblutungen oder bei Multiple-Sklerose-Patienten auftreten.

 

Für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen stehen derzeit die Antikonvulsiva Carbamazepin, Gabapentin und Pregabalin zur Verfügung, das Antidepressivum Duloxetin sowie das Lokalanästhetikum Lidocain und das Alkaloid Capsaicin als lokale Schmerzpflaster. Zugelassen zur langfristigen Schmerzbehandlung im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes sind darüber hinaus die Antidepressiva Amitriptylin, Clomipramin und Imipramin. Bei stärksten neuropathischen Schmerzen sind auch Opioide eine mögliche Therapieoption. (am)

 

22.02.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Kaulitzki