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Celesio: «DocMorris war falsch!»

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Zwischen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und dem Pharmagroßhändler Celesio herrschte lange Zeit Funkstille. Seit der Übernahme der Versandapotheke DocMorris im Jahr 2007 und der damit in Deutschland ausgelösten Fremdbesitz-Debatte war das Verhältnis zu den Apothekern in Deutschland zerrüttet. Das will Celesio nun ändern. Am Montag trafen sich Vorstandschef Markus Pinger (Foto) und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zu einem Gespräch. Die PZ sprach mit Pinger über das von Celesio geplante Apothekenkonzept im Allgemeinen und das Verhältnis zu den Apothekern im Besonderen.

 

PZ: Wenn Sie den Namen Lloyds verwenden, der in England für eine Apothekenkette steht, könnten Sie in den Verdacht geraten, dass Celesio wieder eine Kette errichten will. Wie denken Sie, wird das von Apothekern antizipiert?

 

Pinger: Wir haben bereits Ende 2011 versprochen, dass wir den durch DocMorris entstandenen Konflikt in Deutschland lösen werden. Das Versprechen haben wir gehalten und DocMorris verkauft. Wir meinen es ernst mit unserer Aussage, dass wir nicht am Eigentum der Apotheker rütteln wollen. DocMorris war falsch. Es ist nicht die Aufgabe eines Unternehmens wie Celesio, die politischen Rahmenbedingungen in einem Markt zu ändern. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden erfolgreicher zu machen und dadurch selber erfolgreich zu sein.

 

PZ:  Wer wird an dem neuen Europa-Apothekennetzwerk beteiligt? Aktuelle Marken-Partner oder auch unabhängige Apotheker?

 

Pinger: Ganz soweit sind wir noch nicht. Bevor wir 2014 mit dem breiten Roll-out beginnen, müssen wir im laufenden Jahr erst die Pilot-Projekte gründlich auswerten, also das Konzept gegebenenfalls weiter entwickeln. Fest steht, dass unser neues Apothekenkonzept unter der Marke Lloyds einheitlich auftreten wird. Man muss allerdings dabei unterscheiden. In einigen Ländern haben wir eigene Apotheken, die wir schrittweise auf Lloyds umflaggen werden. In anderen Ländern haben wir Markenpartnerschaften oder andere Kooperationsvereinbarungen. Dieser Teil des Konzeptes, also der für unsere Kooperationspartner, ist noch nicht in allen Details fertig entwickelt. Wir werden aber alle inhaltlichen Elemente, die wir jetzt in den Pilotapotheken testen, auch den unabhängigen Apothekern anbieten. Das Konzept ist in Modulen aufgebaut. Man kann als Partner das gesamte Konzept mit allen Modulen übernehmen. Es wird aber auch möglich sein, nur einzelne Elemente zu übernehmen.

 

PZ:  Wie frei sind die Kooperationspartner? Einige Apotheken gehen aus ökonomischen Gründen mehrere Kooperationen ein, um im Großhandel günstige Konditionen zu erhalten. Gibt es aufgrund des strategischen Ansatzes bei dem neuen Konzept einen Exklusivitätsanspruch seitens Celesio?

 

Pinger: Ausschließlich ökonomisch motivierte Kooperationen wird es vermutlich immer geben. Sie entsprechen aber nicht unserem Anspruch, den wir mit dem neuen Apothekenkonzept verfolgen. Hier geht es um die Frage, wie man den Service für Patienten und damit auch die Perspektiven für die Apotheken verbessern kann. Wir verstehen unser Konzept als einen neuen Weg, um die Rolle der Apotheken gegenüber den Patienten und im Gesundheitssystem zu stärken.

 

PZ:  Wird es Ihre Kooperation «Gesund-leben» unter diesem Namen mittelfristig weiter geben oder wird die Kooperation unter der Marke Lloyds weitergeführt?

 

Pinger: Dazu gibt es noch keine Entscheidung. Wir können uns aber sehr gut ein zweistufiges Vorgehen vorstellen: Es wird Partner geben, die das komplette Konzept realisieren – das wird dann unter dem Markennamen Lloyds laufen. Das Gesamtkonzept muss mit der Marke verbunden sein. Andere werden vielleicht nur Teile des Konzepts übernehmen und umsetzen. Wie dann die Markenarchitektur aussieht, das wollen wir erst mit unseren Partnern diskutieren. Wir hoffen, dann Ende des Jahres Genaueres sagen können.

 

PZ: Wie ist heute das Verhältnis von Celesio zu den Apothekern? Gibt es noch Ressentiments?

 

Pinger: Ich spreche mit sehr vielen Apothekern. Ich denke, die Apotheker haben gemerkt, dass wir Wort gehalten haben. Nicht nur in der Sache DocMorris. Mittlerweile spüren wir jedenfalls eine deutlich größere Kooperationsbereitschaft als vor der DocMorris-Veräußerung. Die Möglichkeit, Neukunden zu gewinnen, ist für uns deutlich besser geworden. Es gab fünf Jahre lang kein Gespräch zwischen der Celesio AG und der ABDA. Wir hatten letztes Jahr das erste Gespräch und haben vereinbart, dass wir auf einer Vertrauensbasis zusammen reden und arbeiten wollen. Wir haben versprochen, unser neues Konzept mit der ABDA zu besprechen. Das haben wir am Montag getan.

 

PZ:  Im letzten Jahr haben Sie mit Fritz Becker geredet, dieses Jahr mit Friedemann Schmidt. Wollen Sie sich nun regelmäßig mit Vertretern der ABDA treffen?

 

Pinger: Wir fanden es angemessen, nach der schwierigen Zeit der vergangenen Jahre wieder aktiv den Dialog zu suchen. Wir möchten die Gespräche gern weiter auf einer regelmäßigen Basis fortsetzen. Wir sehen die ABDA als Partner, mit dem wir vertrauensvoll umgehen wollen. Und von dem wir auch gerne als Partner wahrgenommen werden wollen.  

 

PZ: Denken Sie, dass man eine Basis finden wird für gemeinsame Projekte?

 

Pinger: Es gibt viele Interessensgleichheiten mit den Apothekern. Zum Beispiel das ABDA-KBV-Modell. Diese Idee finden wir unterstützenswert. Wir sehen darüber hinaus viele Möglichkeiten zu kooperieren.

 

PZ: Haben Sie mehr Kunden als vor einem Jahr?

 

Pinger: Wenn wir uns die Entwicklung der Marktanteile der letzten Wochen anschauen, dann sind wir wieder bei deutlich über 16 Prozent. (dr/et)

 

26.02.2013 l PZ

Foto: PZ-Archiv