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Grippe: Streit um Impfstoffe nicht beigelegt

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Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat klargestellt, dass es die zurückgerufenen Impfstoff-Chargen nicht wieder freigeben wird. Die Schweiz und Kanada hatten den Auslieferungsstopp aufgehoben, nachdem bekannt geworden war, dass es sich bei den Ausflockungen in den Vakzinen nicht um Verunreinigungen handelt. Dies sei in Deutschland allein deshalb nicht möglich, da Ärzte bereits aufgefordert worden seien, Impfdosen der betroffenen Chargen ungekühlt zurückzusenden, hieß es beim PEI auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung. Somit sei die Qualität nicht mehr gewährleistet.

 

Unterdessen trafen sich Hersteller und Krankenkassen in Berlin zu Gesprächen über die gegenwärtige Impfstoff-Versorgung. Der zentrale Konflikt beim Thema Lieferengpässe scheint weiter ungelöst. In mehreren Bundesländern hatten Krankenkassen Exklusivverträge für Grippeimpfstoffe mit dem Pharmaunternehmen Novartis geschlossen, der die Vakzine jedoch bislang nicht in ausreichender Zahl lieferte. Andere Hersteller hatten diesen Engpass mit ihren Impfstoffen nicht auffangen können. Zudem musste Novartis in der vergangenen Woche fünf bereits ausgelieferte Impfstoff-Chargen wegen Verdachts auf Verunreinigungen zurückziehen.

 

Dem Vernehmen nach besteht auch nach den Gesprächen weiter Uneinigkeit über die Gründe für das Impfstoff-Chaos. Die Krankenkassen hatten bereits vorab deutlich gemacht, dass sie die Schuld auf Seiten des Herstellers Novartis sehen. Dieser habe nicht rechtzeitig geliefert. Das Treffen mit den Herstellern war laut AOK-Bundesverband angesetzt worden, «um logistische Probleme zu lösen».

 

Die Pharmaunternehmen sehen das anders: Zum aktuellen Impfchaos habe es nur deshalb kommen können, weil die Kassen sich durch eine verfehlte Ausschreibungspolitik auf einen einzigen Hersteller verlassen hätten. Grippevakzine ließen sich bei Chargenausfällen jedoch nicht spontan nachproduzieren, sagte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen. Exklusive Lieferverträge seien deshalb «nicht geeignet für eine gute und flexible Versorgung der Bevölkerung mit Grippeimpfstoffen». Zu konkreten Ergebnissen der Gespräche wollte sich kein Hersteller äußern. Beim AOK-Bundesverband hieß es lediglich, man sei «auf gutem Weg» die logistischen Probleme zu lösen. (ah)

 

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01.11.2012 l PZ

Foto: Fotolia/VTD