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Grippeimpfung: Ersatzimpfstoffe in der Kritik

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Experten des Informationsdienstes «arznei-telegramm» haben die geplante Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten in Schleswig-Holstein und Hamburg mit bestimmten Ersatz-Grippeimpfstoffen scharf kritisiert. In den zwei Bundesländern und in Bayern sollte nach einem kassenübergreifenden Rabattvertrag die Grippeimpfung mit Begripal® ohne Kanüle von Novartis Vaccines durchgeführt werden. Da die Firma diesen Impfstoff voraussichtlich erst Anfang November in großen Mengen ausliefern kann, sollen die Patienten jetzt mit alternativen Impfstoffen versorgt werden. In Hamburg und Schleswig-Holstein ist dies für Versicherte ab 18 Jahren der Zellkulturimpfstoff Optaflu® und für Über-65-Jährige Fluad® (beide von Novartis). Laut einem Sprecher der AOK-Nordwest hat Novartis die Auslieferung der Ersatzimpfstoffe ab der 39. Kalenderwoche zugesagt. Auch geringe Mengen Begripal mit Kanüle sollen ab dieser Woche zur Verfügung stehen.

 

Mit Optaflu und Fluad würden zahlreiche Versicherte nun eine Vakzine erhalten, die sich von herkömmlichen zugelassenen Grippeimpfstoffen unterscheidet, kritisiert das «arznei-telegramm». Fluad wird zwar wie Begripal auf Hühnereibasis hergestellt, enthält jedoch zusätzlich ein wirkverstärkendes Adjuvans. Laut Robert-Koch-Institut fehlten eindeutige Nachweise, dass adjuvantierte Impfstoffe aufgrund der Wirkverstärkung zuverlässiger gegen Influenza schützen als nicht-adjuvantierte Impfstoffe. Lokale Nebenwirkungen an der Injektionsstelle wie Schmerz, Rötung oder Schwellung träten jedoch häufiger auf.

 

Bei der Herstellung von Optaflu kommen Zellkulturen aus sogenannten MDCK-Zellen (Madin Darby Canine Kidney) zum Einsatz. In den USA sei der Impfstoff nicht zugelassen. Mitglieder des Beratungskomitees der dortigen Arzneimittelbehörde FDA hätten Bedenken aufgrund potenzieller Onkogenität von DNA aus MDCK-Zellen geäußert. Bislang gebe es noch keine Daten aus Postmarketing-Erfahrungen mit Optaflu, bemängelt das «arznei-telegramm». Es seien keinerlei Wirkvorteile gegenüber Impfstoffen auf Eibasis belegt, Schmerzen an der Injektionsstelle träten zudem öfter auf. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut teilt diese Bedenken nicht: Die für die Zulassung von Optaflu relevanten klinischen Prüfungen seien als direkter Vergleich mit Begripal durchgeführt worden. In Bezug auf Wirkungen und Nebenwirkungen seien beide Impfstoffe vergleichbar, erklärte das Institut. (va)

 

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27.09.2012 l PZ

Foto: Novartis-Behring (Symbolbild)