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Tuberkulose: Antibiotika-Resistenzen nehmen stark zu

Immer mehr Patienten lassen sich nicht mehr mit den herkömmlichen Erst- und Zweitlinien-Antituberkulotika therapieren. Das zeigt eine internationale Studie, die Proben von 1278 Patienten in elf Ländern aus Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika untersuchte. So konnten die Wissenschaftler um Dr. Tracy Dalton von den US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei 43,7 Prozent der untersuchten Proben multiresistente Erreger (MDR-TB) nachweisen, die auf mindestens ein Zweitlinien-Medikament nicht mehr reagierten. Bezogen auf Lettland sind 62 Prozent der Tuberkulose-Patienten mit MDR-TB infiziert. Extrem resistente Tuberkulose-Bakterien (XDR-TB) kamen bei 6,7 Prozent der Patienten weltweit vor, vor allem in Südkorea (15,2 Prozent) und Russland (11,3 Prozent). Diese Werte lagen deutlich über den Erwartungen.

 

Während die Weltgesundheitsorganisation WHO 2010 noch davon ausging, dass 5,4 Prozent der Tuberkulose-Patienten weltweit mit XDR-TB infiziert sind, liegt die neueste Schätzung bei 9,4 Prozent. Bislang sind solche Erreger in 77 Ländern weltweit nachgewiesen worden, geben die Studienautoren im Fachjournal «Lancet» an. Nach WHO-Zahlen erkrankten im Jahr 2010 8,8 Millionen Menschen weltweit neu an Tuberkulose, 1,45 Millionen starben an der Infektion. Die absolute Zahl der Erkrankten weltweit sinkt seit einigen Jahren.

 

Insbesondere XDR-TB machen die Therapie jedoch schwierig, langwierig und teuer, wenn nicht sogar unmöglich. Risikofaktoren für eine Infektion mit resistenten Erregern sind nach den neuen Studienergebnissen unter anderem eine vorangegangene Tb-Behandlung, Arbeitslosigkeit, Gefängnisstrafen, Alkoholmissbrauch und Rauchen. Die genaue Verbreitung von multi- und extrem resistenten Tuberkulose-Bakterien weltweit ist unklar. Es gibt Hinweise, dass sie sich rasant verbreiten. (db)

 

doi: 10.1016/ S0140-6736(12)60734-X

 

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30.08.2012 l PZ

Foto: CDC/Butler