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Nierenkrebs: Impfstoff in Studien erfolgreich

Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom könnten in Zukunft möglicherweise mit einer Impfung behandelt werden. Der Impfstoff IMA901 wird therapeutisch verabreicht, wenn der Patient bereits erkrankt ist. Deutsche Forscher erzielten nun in Studien erste positive Ergebnisse bei Patienten, die das spezifische Antigen HLA-A auf Krebszellen exprimieren. Die Vakzine IMA901 besteht aus zehn synthetischen sogenannten Tumor-assoziierten Peptiden (TUMAP). Anhand dieser Peptide können T-Zellen des Immunsystems die Nierenkrebszellen erkennen und attackieren. 

 

Die Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Uni-Ausgründung Immatics Biotechnologies GmbH berichten in »Nature Medicine« über die vielversprechenden Ergebnisse zweier Studien. Sie isolierten Proben von Krebszellen, die HLA-A exprimierten, und entwickelten daraus den Impfstoff. Eine Phase I-Studie mit 28 Teilnehmern  zeigte, dass T-Zell-Reaktionen  von Nierenkrebspatienten auf mehrere TUMAPs mit einem besseren klinischen Verlauf sowie einer geringen Anzahl regulatorischer T-Zellen, die normalerweise die Aktivierung des Immunsystems unterdrücken, assoziiert waren.

 

In einer nachfolgenden randomisierten Studie der Phase II mit 68 Patienten erhielt eine Gruppe vor der Impfung eine einmalige Dosis Cyclophosphamid, eine weitere Gruppe lediglich die Impfung. In der Cyclophosphamid-Gruppe war die Zahl der regulatorischen T-Zellen weiter herabgesetzt, die Immunantwort war zudem mit einem verlängerten Überleben assoziiert. Patienten, die zusätzlich Cyclophosphamid erhalten hatten, überlebten im Schnitt 23,5 Monate. Mit der Impfung alleine waren es 14, 8 Monate. Der Erfolg muss nun an einer größeren Studienpopulation überprüft werden. Außerdem planen die Forscher, Biomarker zu identifizieren, die eine Voraussage zur Überlebenszeit von Patientengruppen nach der Impfung treffen können. (va)

 

doi: 10.1038/nm.2883

 

01.08.2012 l PZ

Foto: Fotolia/krishnacreations