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Flexibel, mobil - und häufiger psychisch krank

Wer im Job ständig mobil und flexibel ist, läuft Gefahr, psychisch zu erkranken. Erkenntnisse zu diesem Thema präsentierte heute in Berlin der AOK-Bundesverband mit seinem Fehlzeitenreport 2012 (FZR). «Allein seit 2004 ist die Anzahl unserer Versicherten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in Behandlung sind, um 40 Prozent gestiegen. Die Behandlungskosten beliefen sich bei der AOK allein im Jahr 2011 auf 9,5 Milliarden Euro», sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, bei der Vorstellung des Reports. Die zunehmend erforderliche Flexibilität, sowohl die Arbeitszeiten als auch den Arbeitsort betreffend, wird als ein maßgeblicher Grund für den Anstieg gesehen. So haben laut Studie beispielsweise Pendler, die mehr als 50 Kilometer zum Arbeitplatz fahren müssen, ein 20 Prozent höheres Risiko, psychisch zu erkranken, als Nicht-Pendler.

 

Seit 1994 sei die Zahl der psychischen Erkrankungen um 120 Prozent gestiegen, so der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und FRZ-Herausgeber, Helmut Schröder. Das macht sich auch in den Fehlzeiten bemerkbar, wie der Report belegt: 2011 waren die Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen im Schnitt mit 22,5 Tagen doppelt so lang wie bei anderen Erkrankungen.

 

Die repräsentative Befragung von 2000 abhängig Beschäftigten aus 2011 zeigt: Mehr als jeder Dritte hat in den letzten vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten (33,8 Prozent) oder Überstunden geleistet (32,3 Prozent). Häufig wird Arbeit mit nach Hause genommen (12,0 Prozent), auch die Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist für viele keine Seltenheit (10,6 Prozent). Mittlerweile hat jeder achte Beschäftigte daher Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit. «All diese Belastungen im Arbeitsalltag führen dazu, dass die Beschäftigten mehr an psychischen Beschwerden leiden als diejenigen, die diesen Belastungen nicht ausgesetzt sind», sagte Schröder. Die Befragten klagten laut Studie dabei nicht nur über Erschöpfung (20,8 Prozent) oder über das Problem, in der Freizeit nicht abschalten zu können (20,1 Prozent), sondern auch über Schlafstörungen (15,3 Prozent), Kopfschmerzen (13,5 Prozent) oder Niedergeschlagenheit (11 Prozent).

 

Um Arbeitnehmer vor zuviel psychischer Belastung zu schützen, sind mehr betriebliche Präventionsmaßnahmen und eine gesundheitsgerechtere Mitarbeiterführung der Unternehmen gefragt, so das Fazit des Reports. Die AOK hat im Jahr 2011 nach eigenen Angaben 106 Millionen Euro in die Prävention investiert. Davon gehen 20,5 Millionen Euro in die betriebliche Gesundheitsförderung. Bundesweit betreut die AOK etwa 24 Millionen Mitglieder. Das entspricht fast einem Drittel der Bevölkerung in Deutschland. (et)

 

16.08.2012 l PZ

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