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Lieferengpässe: Regierung sieht kein Versorgungsproblem

Die Bundesregierung sieht keine Gefahr für die Arzneimittelversorgung der deutschen Bevölkerung. Dies teilt sie in ihrer Antwort auf eine «Kleine Anfrage» der Linksfraktion im Bundestag mit. Die Partei hatte die Regierung um Stellungnahme gebeten, nachdem verschiedene Medien über Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten berichtet hatten.

 

Mehrfach hatten Apotheker über Engpässe geklagt und berichtet, sie müssten zunehmend auf Ersatzmittel ausweichen. So konnten etwa Acetylsalicylsäure (Aspirin®) zur parenteralen Anwendung sowie mehrere Krebsmedikamente nicht geliefert werden. Besonders hart traf es die Krankenhausapotheken.

 

Die Bundesregierung spricht nun von Lieferengpässen in Einzelfällen. Im Fall des Krebsmittels Carboplatin seien mutmaßliche Qualitätsmängel die Ursache gewesen, heißt es in der Regierungs-Antwort. Caelyx®, pegyliertes Doxorubicin in einer liposomalen Formulierung, dagegen habe nicht geliefert werden können, da ein Herstellungsbetrieb geschlossen worden sei. Beim parenteralen Aspirin habe schlicht ein Ausgangsstoff gefehlt. In allen Fällen handle es sich um vorübergehende Probleme – länger andauernde Engpässe seien nicht aufgetreten, so die Regierung.

 

Kathrin Vogler (Die Linke), Vizevorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, kritisierte die Antwort der Regierung als unzureichend. Sie sei bestürzt über die Sorglosigkeit, mit der man dort das Thema kommentiere, sagte Vogler in einer Pressemitteilung. Trotz gehäufter Meldungen über fehlende Medikamente rede die Bundesregierung das Problem klein und stecke «einfach den Kopf in den Sand».

 

Auch Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig teilt die Einschätzung der Regierung nicht. Lieferengpässe häuften sich besonders bei Medikamenten, die schon lange auf dem Markt sind, sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft heute gegenüber der «Berliner Zeitung». Neue, teure Arzneimittel könnten dagegen meist problemlos geliefert werden. Ludwig bezeichnete es als «absolut inakzeptabel», dass Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen durch Lieferschwierigkeiten nun teils wichtige Medikamente fehlten. (ah)

 

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16.07.2012 l PZ

Foto: Fotolia/allapen