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HIV: Kein Rückgang bei Homosexuellen

Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV sinkt weltweit, so lautet das erfreuliche Fazit aktueller Studien. Jedoch hat dieser Trend eine Ausnahme: In der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) steigt die Zahl der Infizierten weiter an – quer durch alle Nationen. Forscher der Johns Hopkins School of Public Health in Baltimore haben nun mögliche Ursachen erforscht und die Ergebnisse im Fachblatt «Lancet» veröffentlicht.

 

Die Wissenschaftler interessierte vor allem, warum in vielen Ländern die Infektionsraten in allen Bevölkerungsgruppen zurückgehen, nicht jedoch unter den MSM. So stieg die Zahl der infizierten US-amerikanischen Männer in dieser Gruppe seit 2001 jährlich um 8 Prozent auf mittlerweile 15 Prozent aller MSM. Auch in Spanien, Chile, Thailand, Südafrika und weiteren Ländern sind mehr als 15 Prozent der MSM HIV-positiv. In Nord- und Westeuropa sind es zwischen 1 und 6 Prozent, Tendenz auch hier steigend.

 

Diese Abweichung zu anderen Bevölkerungsgruppen sei nicht allein durch Unterschiede im Verhalten etwa bei der Verwendung von Kondomen oder der Menge der Sexualpartner zu erklären, heißt es in der Studie. Ein wichtiger Grund sei das hohe Ansteckungsrisiko durch ungeschützten Analverkehr.

 

So liege das einmalige Übertragungsrisiko bei dieser Form des Sexualverkehrs für den passiven Partner bei etwa 1,4 Prozent. Es ist somit 18 Mal höher als das Ansteckungsrisiko für Frauen durch vaginalen Verkehr. Durch den Wechsel von aktivem und passivem Analverkehr verbreite sich das Virus in der Gruppe der MSM besonders schnell. Auch seien, so die Forscher, HIV-positive MSM häufiger mit mehreren Virustypen infiziert als andere HIV-Patienten.

 

Um die Verbreitung des Virus in der Gruppe der MSM zu stoppen, müssen nach Meinung der Wissenschaftler weiter Versuche unternommen werden, die Infektiosität des Virus bei bereits erkrankten Männern etwa durch hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) zu senken. Auch müssten Methoden erforscht werden, nicht infizierte Männer prophylaktisch (etwa durch mikrobizide Gels oder einer Präexpostionsprophylaxe) vor der Ansteckung zu schützen. (ah)

 

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20.07.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Comtat