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Palliativmedizin – nicht nur für Krebskranke

Die Zahl der Schwerstkranken, die in palliativmedizinischen Einrichtungen versorgt wird, wächst weiter. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent machen Tumorpatienten den Hauptanteil aus. Palliativmedizin ist aber nicht auf Krebserkrankungen beschränkt, sagt der Palliativmediziner Dr. Helmut Hoffman-Menzel. In einem Vortrag beim Pharmacon Meran forderte er, die Palliativmedizin müsse sich in Zukunft stärker auch um Demenzkranke oder Menschen mit koronarer Herzkrankheit bemühen. Aufgabe der Palliativmedizin ist laut Definition «die Behandlung von Menschen mit einer nicht heilbaren und progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung».

 

Heute gibt es laut Hoffmann-Menzel in Deutschland rund 170 stationäre Hospize und 200 Palliativstationen. Hinzu kommen 1500 ehrenamtliche Hospizinitiativen und 60 Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Hoffmann-Menzel hält diese Zahl immer noch für deutlich zu niedrig, vor allem mit Blick auf die demografische Entwicklung, die die Zahl von Patienten mit Demenz oder Herz-Kreislauferkrankungen weiter steigen lassen wird. Hierauf müssten Politik und Fachleute eine Antwort finden.

 

Der Palliativmediziner sieht in der Betreuung Schwerstkranker eine interdisziplinäre Aufgabe. Als wichtige Partner bezeichnete er dabei die Apotheker. Neben der Versorgung der Sterbenden mit Arzneimitteln seien sie auch als beratende Experten für die Teams notwendig, etwa wenn es um die Teilbarkeit oder die Sondengängigkeit von Medikamenten geht. Hoffmann-Menzel begrüßte ausdrücklich, dass sich immer mehr Apotheker palliativ-pharmazeutisch engagieren und von Landesapothekerkammern mittlerweile eine Spezialfortbildung Palliativpharmazie angeboten wird. (dr)

 

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05.06.2012 l PZ

Foto: Fotolia/contrastwerkstatt