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Neue Therapie gegen Ambrosia-Pollen getestet

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Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Merck & Co. (in Europa MSD) hat Ergebnisse einer klinischen Studie zur oralen Hyposensibilisierung gegen Ambrosia-Pollen veröffentlicht. Die Allergie-Immuntherapie-Tabletten (AIT) reduzierten sowohl Allergiesymptome als auch den zusätzlichen Gebrauch weiterer Antiallergika.

 

Die randomisierte, multizentrische, doppelblinde Studie der Phase III untersuchte Sicherheit und Wirksamkeit von zwei verschiedenen Dosierungen der Ambrosia-AIT gegen Placebo. Teilnehmer waren 565 Patienten zwischen 18 und 50 Jahren mit Ambrosia-induzierter Rhinokonjunktivitis, teilweise zusätzlich mit Asthma. Die Patienten erhielten entweder täglich eine Tablette mit einem Allergen-Extrakt aus Ambrosia artemisiifolia oder Placebo, beginnend 16 Wochen vor sowie während der Ambrosia-Pollensaison. Insgesamt betrug die Behandlungsdauer 52 Wochen.

 

Während der Pollensaison zeichneten die Patienten selbst ihre Symptome sowie ihren Medikamentengebrauch in elektronischen Tagebüchern auf. Sie bewerteten nasale Symptome (laufende und verstopfte Nase, Niesen oder Jucken) und Augenreizungen (Entzündungssymptome und übermäßiger Tränenfluss) auf einer Skala von 0 (keine Symptome) bis 3 (sehr starke Symptome). Auch aus dem täglichen Medikamentengebrauch wurde anhand von Art und Menge eine Punktzahl errechnet. Als primärer Endpunkt diente der Durchschnittswert der Summe von Symptom- und Medikamentenscore während des15-tägigen Höhepunkts der Ambrosia-Pollen-Saison.

 

Während dieser 15 Tage zeigten die mit AIT behandelten Patienten im Vergleich zu Placebo eine signifikante Reduktion der Gesamtpunktzahl, um 27 Prozent bei der höheren und um 21 Prozent bei der niedrigeren Dosis. Die Symptompunkte gingen im Vergleich zu Placebo um 17 Prozent bei der höheren und 14 Prozent bei der niedrigeren Dosis zurück. Der Gebrauch von Medikamenten während des 15-tägigen Höhepunkts der Pollensaison war bei der höheren Dosis um 45 Prozent und bei der niedrigen um 34 Prozent reduziert.

 

Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Juckreiz von Mund und Ohren sowie Rachenreizungen. Zwei Patienten erhielten während der Studie eine Notfallmedikation mit Adrenalin. MSD will 2013 die Zulassung in den USA beantragen.

 

Ambrosia artemisiifolia (Beifuß-Ambrosie oder Aufrechtes Traubenkraut) wurde aus Nordamerika eingeschleppt und verbreitete sich aufgrund des Klimawandels rasant in Mitteleuropa. Ihre Pollen sind hoch allergen: Schon geringe Mengen reichen aus, um Allergiebeschwerden auszulösen. Die Pflanze blüht von August bis Oktober mit Höhepunkt von Mitte August bis Anfang September. Besonders gefährdet sind Menschen, die auch auf weitere Pollen allergisch reagieren. (va)

 

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06.03.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Elenathewise