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Retigabin: GSK wirft IQWiG unsinnigen Vergleich vor

Der Arzneimittelhersteller Glaxo-Smith-Kline (GSK) wehrt sich gegen die schlechte Bewertung seines Antiepileptikums Retigabin durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hatte angeordnet, GSK solle für die Nutzenbewertung sein neues Präparat mit Lamotrigin oder Topiramat vergleichen. «Dies entspricht nicht dem aktuellen Stand der medizinischen Behandlung und ist hinsichtlich der Versorgung schwer betroffener Epilepsiepatienten inakzeptabel», schreibt GSK in einer Stellungnahme. Es lägen sowohl medizinische als auch methodische Mängel bei der Wahl der Vergleichstherapie durch den GBA vor.

 

GSK hatte seinen neuartigen Kaliumkanal-Öffner mit dem Antiepileptikum Lacosamid verglichen. Diese Studie hatte das IQWiG nicht berücksichtigt. Daher bekam Retigabin die Wertung «ohne Zusatznutzen». Retigabin (Trobalt®) ist seit Mai 2011 als Zusatztherapie für erwachsene Patienten mit fokalen Krampfanfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung auf dem Markt.

 

GSK beruft sich in seiner Stellungnahme auf verschiedene Leitlinien. Demnach kommen die älteren Antiepileptika Lamotrigin und Topiramat bei fokaler Epilepsie als Basistherapie oder als Zusatzmittel zu einem frühen Zeitpunkt der Kombinationstherapie infrage. Lacosamid und Retigabin kommen dagegen bei schwer zu behandelnden Epileptikern, bei denen andere Arzneimittel versagt haben, zum Einsatz. «Dies wird auch durch jüngste Daten aus dem deutschen Versorgungsalltag belegt», schreibt GSK. Zudem weist der Hersteller darauf hin, dass viele Studien mit Lamotrigin und Topiramat 15 bis 20 Jahre alt sind. Damals war die Methodik eine andere und ist mit der heutigen schwierig zu vergleichen.

 

«Mit den bisher verfügbaren Antiepileptika wird etwa ein Drittel aller Epilepsiepatienten nicht anfallsfrei», beruft sich GSK auf einen Fachartikel im «New England Journal of Medicine» aus dem Jahr 2000. Retigabin sei eine Therapieoption für schwer behandelbare Patienten, bei denen andere Therapien versagt haben. Laut GSK konnte in Phase-III-Studien Retigabin bei bis zu 55 Prozent der schwierig zu behandelnden Patienten eine deutliche Reduktion der Anfallshäufigkeit erreichen. (db)

 

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Retigabin: IQWiG sieht keinen Zusatznutzen, Meldung vom 15.02.2012

Frühe Nutzenbewertung: Industrie übt scharfe Kritik an Methodik, PZ 07/2012

 

Wirkstoffprofil Retigabin (Trobalt® / 2011) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

16.02.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Robert Kneschke