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Höhlenbakterien produzieren Antibiotikum

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Jenaer Forscher haben ein hochwirksames Antibiotikum entdeckt. Dabei handle es sich um Cervimycin K, teilte das Hans-Knöll-Institut, Jena, heute mit. Schon 2003 seien auf steinzeitlichen Höhlenmalereien in Italien Bakterien entdeckt worden, die das Antibiotikum Cervimycin bilden. Weitere Untersuchungen eines Teams um Professor Dr. Christian Hertweck hätten nun ergeben, dass diese Bakterien Cervimycin K produzieren, wenn ihnen ein bestimmtes Enzym namens CerJ fehle. Dies sei noch wirksamer als alle anderen bisher bekannten Formen des Cervimycins, hieß es. Darüber hinaus hätten detaillierte Untersuchungen der Wirkungsweise von CerJ einen völlig neuartigen Reaktionsmechanismus zu Tage gebracht. Über ihre Arbeit berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Nature Chemical Biology».

 

Der Wirkstoff sei auf chemischem Weg nicht herzustellen. Mit der neuen Erkenntnis sei aber eine Produktion mittels Biotechnologie möglich, indem das Enzym bei diesen Bakterien abgeschaltet werde. Bis aus dem neuen Wirkstoff ein richtiges Medikament wird, könnten 10 bis 20 Jahre vergehen, sagte der Sprecher des Instituts, Michael Ramm. Zuvor müssten etwa die derzeit noch schwer löslichen Moleküle entsprechend verändert werden, ohne dass sie an Wirksamkeit einbüßen. Einen Partner in der Pharmaindustrie gebe es dafür noch nicht. Die Suche nach neuen Antibiotika ist wichtig, da bei Krankheitserregern immer wieder Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe auftreten, die dann nicht mehr helfen. Als Ursache wird von Fachleuten angeführt, dass diese Mittel von Ärzten zu häufig schon bei Bagatellkrankheiten verschrieben werden, Patienten die Therapie zu früh abbrechen und die Präparate sehr häufig auch in der Tierhaltung zum Einsatz kommen.

 

26.01.2012 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Rovagnati (Symbolbild)