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EHEC-Epidemie: Dem Erreger auf der Spur

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Noch ist der genaue Stamm des Durchfallerregers EHEC nicht identifiziert. Münsteraner Forscher haben den Erregertyp bereits von 42 bekannten auf 2 mögliche Verursacher eingegrenzt. «Es könnte aber auch ein ganz neuer Typ sein», sagte Professor Dr. Helge Karch vom Konsiliarlabor für das Hämolytisch-Urämische Syndrom am Institut für Hygiene der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa. Sein 15-köpfiges Team arbeite «Tag und Nacht durch, um den Cocktail an Giften zu identifizieren». Denn jeder Stamm Enterohämorrhagischer Escherichia-coli-Bakterien (EHEC) produziert eine individuelle Toxin-Mischung. Diese Toxine sind es, die eine Infektion so gefährlich machen.

 

Ist der Erregerstamm bekannt, könnte dies die Suche nach der Infektionsquelle erleichtern. Neben dem Hauptverdächtigen Gemüse kommen auch Fleisch- und Rohmilchprodukte sowie Trinkwasser infrage.

 

«Unter einem Mikroskop erkennt man den EHEC-Erreger nicht», erklärte Karch. «Er verhält sich wie ein Wolf im Schafspelz.» Unter den anderen zahlreichen Darmbakterien ist er nicht direkt zu erkennen. Um den Erreger und seine DNA zu isolieren, müssen die eingelieferten Stuhlproben ausgestrichen 24 Stunden bei Körpertemperatur bebrütet werden. Die gesamte Analyse dauert zwei bis drei Tage. Dann vergleichen Karch und sein Team die Ergebnisse mit EHEC-Steckbriefen aus ihrer Kartei.

 

Bislang gab es laut Karch drei große Ausbrüche in Deutschland. Von keinem sei bekannt, wie der Erreger in den Umlauf geriet. 1998 hatte Karch den EHEC-Stamm beschrieben, der bis heute für alle Ausbrüche der Darmerkrankung in Deutschland verantwortlich war. Gefürchtet ist vor allem die Variante EHEC O157. Der diesjährige Ausbruch macht den Wissenschaftler stutzig. «So etwas habe ich noch nicht erlebt», sagt Karch. «Mir ist das sehr unheimlich.» (db)

 

25.05.2011 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/ulistx (Symbolbild)