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Multiresistentes Bakterium aus Indien

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In Belgien ist erstmals ein Mensch an einem neuen multiresistenten Bakterium aus Indien gestorben. Ein in Brüssel lebender Pakistaner erlag einer Infektion, die er sich bei einem Krankenhausaufenthalt in Pakistan zugezogen hatte. Verantwortlich ist ein Bakterium mit einem neuen Carbapenem-spaltenden Enzym, der sogenannten Neu-Delhi-Metallo-Beta-Laktamase (NDM-1). Dieses Enzym liegt außerhalb des Hauptgenoms des Bakteriums auf einem Plasmid, das sich leicht zwischen gramnegativen Enterobakterien austauschen lässt. Es wurde erstmals in Neu Delhi beschrieben.

 

In der vergangenen Woche hatten Wissenschafter um Professor Dr. Timothy Walsh von Universität Cardiff im Fachjournal «The Lancet Infectious Diseases» wegen der neuen Resistenz Alarm geschlagen. Sie fanden 170 Isolate resistenter Keime der Arten Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae in Indien, Pakistan und Großbritannien. Die britischen Patienten hatten sich fast alle eine Infektion bei stationären Aufenthalten auf dem indischen Subkontinent zugezogen. Die Erreger sind gegen alle Antibiotika außer Tigecyclin und Colistin (Polymyxin E) resistent. Die beiden Antibiotika gehören zur Reserve. Tigecyclin ist ein Vertreter der Glycylcycline, der erst 2006 in der europäischen Union zugelassen wurde. Colistin dagegen ist ein relativ altes Antibiotikum, dass aufgrund seiner toxischen Eigenschaften eher selten zum Einsatz kommt. (db)

 

doi: 10.1016/S1473-3099(10)70143-2

 

16.08.2010 l PZ

Foto: Fotolia/Hoppe