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Schönheits-OP: Grenzen aufzeigen

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Bei Schönheitsoperationen sollten Chirurgen nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft der Plastischen Chirurgen, Günter Germann, deutlichere Grenzen ziehen. «Wir Mediziner müssen aufpassen, dass ästhetische Chirurgie nicht zur reinen Lifestyle-Chirurgie wird. Also, dass jeder Modetrend sofort chirurgisch umgesetzt wird», sagte Germann in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des 127. Deutschen Chirurgenkongresses vom 20. bis 23. April in Berlin. Mediziner müssten stets die Würde des Patienten achten. «Denn auch wenn ein Patient zu mir kommt und um einen bestimmten Eingriff bittet, muss ich überlegen, ob ich das vertreten kann. Wir Mediziner müssen aufpassen, dass wir die Patienten nicht entstellen.»

 

Seriös gemacht sei ästhetische Chirurgie durchaus ein Weg für viele Menschen, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. «Immerhin wissen wir schon sehr lange – zum Beispiel von der Wiederherstellung der weiblichen Brust, Nasenkorrekturen oder der Beseitigung abstehender Ohren –, dass das Körperbild das Selbstwertgefühl entscheidend beeinflussen kann.» So könnten beispielsweise für Frauen Operationen sehr wichtig sein, bei denen ihnen eine amputierte Brust rekonstruiert wird. «Deshalb ist seriös gemachte ästhetische Chirurgie für viele Menschen ein Segen.»

 

Allerdings gebe es klare Grenzen. «Die Grenzen sind dort, wo Kollegen versuchen, andere Menschen nachzubilden», betonte Germann. Das gelte zum Beispiel für den Fall, dass ein junges Mädchen ein Gesäßimplantat möchte, weil sie gerne wie die Sängerin Jennifer Lopez aussehen möchte. «Was passiert mit diesem Mädchen, wenn Jennifer Lopez irgendwann out und hagere Figuren gefragt sind?», fragte der Chirurg. Außerdem sollten Mediziner «immer versuchen, den Charakter des Menschen zu erhalten». «Wenn also eine sehr schmale Frau mit einer knabenhaften Brust kommt, sollte sie möglicherweise nicht Körbchengröße Doppel-D bekommen, sondern etwas, das besser zu ihren Körperrelationen passt», sagte der Mediziner. «Wir dürfen nicht zu bloßen Erfüllungsgehilfen werden, sondern zum Berater», betonte der Mediziner. «Ein Berater, der Patienten seriös über Machbares, Unrealistisches und erwartbare Schwierigkeiten informiert.»

 

19.04.2010 l dpa

Foto: Fotolia/Shcheglov