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Hautkrebs: Vom Brokkoli zum Wirkstoff

 

Krebsforscher in den USA glauben, eine Arzneistoffgruppe für die Behandlung maligner Melanome gefunden zu haben. Wie das Team um Professor Dr. Gavin Robertson am Penn State College of Medicine im Fachjournal «Clinical Cancer Research» (Doi: 10.1158/1078-0432.CCR-08-2214) berichtet, handelt es sich dabei um Substanzen, die das Signalprotein Akt3 hemmen. Dessen Aktivität ist bei etwa 70 Prozent der Tumoren erhöht, was zur gestörten Apoptose und Tumorgenese führt. Die Suche nach Substanzen, die dieses Protein blockieren, führte die Wissenschaftler zunächst zu verschiedenen Isothiocyanaten, die zum Beispiel in Kreuzblütlergewächsen wie Brokkoli und Weißkohl enthalten sind. Allerdings sind diese Stoff so wenig potent, dass riesige Mengen davon für die Behandlung nötig wären.

 

Ausgehend von den Isothiocyanaten haben die Wissenschaftler im nächsten Schritt längerkettige Isoselenocyanate hergestellt, indem sie die Alkylkette erweiterten und in den Molekülen Schwefel durch Selen ersetzen. Diese Isoselenocyanate sind deutlich potenter und können in niedriger Dosis intravenös appliziert werden. In Versuchen mit menschlichen Hautkrebszelllinien wirkten die neu hergestellten Substanzen bis zu 70 Prozent stärker als die natürlichen Isothiocyanate aus den Brassicaceen. In Tierversuchen mit krebskranken Mäusen drosselten die Selen-Verbindungen das Tumorwachstum im Vergleich zu den schwefelhaltigen Substanzen um mehr als das Doppelte. Die Forscher führen das auf eine um das Dreifache gestiegene Apoptoserate zurück. Von einer Erprobung in klinischen Studien sei man noch Jahre entfernt. Neben der intravenösen Gabe zur Behandlung von malignen Melanomen ist es den Wissenschaftlern zufolge übrigens auch denkbar, die Substanzen Sonnenschutzmitteln hinzuzufügen, um die Entstehung von Hautkrebs zu verhindern. (ss)

 

04.03.2009 l PZ

Foto: Fotolia/ExQuisine