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Thermogenese: Wie Chilis einheizen

Chilis brennen nicht nur im Mund, sondern erzeugen auch tatsächlich Hitze: Die in den Kapseln enthaltene Substanz Capsaicin induziert den als Thermogenese bezeichneten Prozess, über den Zellen Energie in Wärme umwandeln können. Dies entdeckten Yasser Mahmoud und seine Kollegen von der Universität Aahus in Dänemark in In-vitro-Untersuchungen mit Muskelzellen. Das Muskelprotein SERCA pumpt Calcium-Ionen unter ATP-Verbrauch nach einer Muskelkontraktion aus dem Zytoplasma zurück in das sarkoplasmatische Retikulum, ein spezialisiertes Kompartiment der Muskelzellen. Capsaicin bindet an SERCA und entkoppelt dieses von der Pumpfunktion. Dadurch verbraucht das Protein zwar immer noch ATP, doch die freigesetzte Energie wird nicht zum Calcium-Pumpen benutzt, sondern als Wärme frei. Der Chili-Inhaltsstoff ist die erste natürliche Substanz, die diese als Thermogenese bekannte Entkopplung induziert, schreiben die Forscher im «Journal of Biological Chemistry» (Band 283, Seiten 21418 bis 21426). Die Ergebnisse würden erklären, warum der Verzehr von Chilis den Metabolismus anfeuern und die Körpertemperatur erhöhen kann. (ch)

 

07.08.2008 l PZ

Foto: Fotolia/Chang