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Covid-19-Impfungen

20 Prozent in Deutschland geimpft – Besserung der Pandemielage?

Etwa jeder Fünfte in Deutschland hat mittlerweile mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen. Doch für Lockerungen ist es laut Medizinern noch zu früh. Zunächst einmal muss zumindest noch die große Gruppe der Babyboomer geimpft werden. 
dpa
PZ
19.04.2021  12:30 Uhr

Am 27. Dezember ging es in Deutschland los mit den Covid-19-Impfungen. Bis zum 18. April haben 16.428.425 der etwa 83 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Dosis bekommen – etwa jeder Fünfte also, Tendenz steigend. Etwa 5,5 Millionen sind vollständig geimpft (6,6 Prozent). Auf der anderen Seite sind viele Millionen Menschen noch gänzlich ungeschützt. Ebnet Deutschlands Impfkampagne dennoch schon den Weg aus der Pandemie?

«Bei einer Impfquote von 20 Prozent haben wir noch keinen großen, signifikanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen, auf die Fallzahlen», sagt Professor Dr. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Die Erstimpfung biete einen guten Schutz vor schweren Verläufen, aber Ansteckungen seien weiterhin möglich. Mit den bisherigen Impfungen haben vor allem die Menschen mit dem höchsten Risiko für schwere und tödliche Verläufe einen Schutz: Über-80-Jährige. «In der Gruppe sind die meisten geimpft», sagt Watzl. Die genaue Impfquote in dem Alter kann das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht angeben. Klar ist aber: Die Zahl der täglich gemeldeten Toten ist im Vergleich zur zweiten Welle deutlich gesunken. Auch bei den Inzidenzen sehen Fachleute eine Verschiebung hin zu den jüngeren Altersgruppen. Watzl spricht vom «ersten Erfolg der Impfungen».

Viele gefährdete Menschen sind jedoch weiter ohne Schutz. Um welche Dimension es geht, wird vermutlich gemeinhin unterschätzt: Das RKI sieht wegen Alter und Vorerkrankungen bei 36,5 Millionen Menschen in Deutschland ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19, davon zählt das Institut 21,6 Millionen zur Hochrisikogruppe. «Bei Menschen über 60 und Menschen mit Vorerkrankungen haben wir gerade erst angefangen zu impfen. Das wird noch eine Weile dauern», betont Watzl. Den Schutz dieser großen Gruppe aufzubauen, sei in der dritten Welle aber durchaus zu schaffen.

Bei einer Impfquote von 70 bis 80 Prozent in den Risikogruppen werde sich die Belegung der Intensivstationen merklich reduzieren, schätzt der Immunologe. Ein Freifahrtschein für Lockerungen wäre das allerdings noch immer nicht. «Sonst bekommen wir riesige Inzidenzen in der übrigen ungeimpften Bevölkerung», erklärt Watzl. «Deren Risiko für eine schwere Erkrankung ist ja nicht Null. Bei einer hohen Zahl an Fällen würde es weiter zu einer großen Krankenhausbelegung kommen. Wir können es nicht so laufen lassen.»

Impfung für Genesene bleibt wichtig

Nach der Statistik haben in Deutschland bisher nur gut drei Millionen Menschen die Infektion durchgemacht, wobei Experten von einer recht hohen Dunkelziffer nicht erkannter und damit auch nicht erfasster Fälle ausgehen. Eine durchgemachte Infektion bedeutet zudem nicht, dass die Betroffenen sich nicht neu infizieren und das Virus weitergeben können. Eine im Fachblatt «The Lancet Respiratory Medicine» vorgestellte Studie zeigte gerade erst, dass junge Erwachsene nicht komplett vor erneuter Ansteckung geschützt sind. Die Impfung bleibe für Genesene wichtig: um die natürliche Immunreaktion zu verstärken, einer Wiederansteckung vorzubeugen und um die Weitergabe des Erregers zu reduzieren.

Ist erst mal ein großer Impffortschritt erreicht, kann es schnell gehen mit dem Rückgang des Infektionsgeschehens – das zeigen ermutigende Nachrichten aus Ländern mit raschem Impffortschritt wie Israel und Großbritannien. In Israel ist inzwischen mehr als die Hälfte der neun Millionen Einwohner zweifach geimpft. Die Zahl der Corona-Infektionen, der Schwerkranken und der Toten sei inzwischen stark zurückgegangen, twitterte der Forscher Eran Segal vom Weizman Institut kürzlich.

In Großbritannien haben mehr als 32 Millionen Menschen und damit rund die Hälfte der Bevölkerung eine erste Impfung. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle sinkt, nachdem Anfang Januar noch eine katastrophale Situation mit 70.000 Neuinfektionen pro Tag verzeichnet wurde. Premierminister Boris Johnson und Mediziner wie Azeem Majeed vom Imperial College London führen das allerdings nicht nur auf die Impfkampagne zurück, sondern auch auf die langen, harten Beschränkungen: Über Monate hinweg durften Briten nur eine Person außer Haus treffen und dies auch nur zum Sport oder Spaziergang; sein Zuhause ohne triftigen Grund zu verlassen, war nicht erlaubt. Reisen ins Ausland und private Treffen in Innenräumen sind bis heute verboten.

Bis wann haben alle eine Erstimpfung?

Für die Menschen in Deutschland hat die Politik ein Impfangebot für jeden (Kinder ausgenommen) bis zum Ende des Sommers in Aussicht gestellt. Ob das klappt, lässt sich schwer vorhersagen – zu viele Unwägbarkeiten gibt es: Kommen die angekündigten Liefermengen und weiteren Impfstoff-Zulassungen wie erhofft? Was passiert, wenn sich Virusvarianten durchsetzen, gegen die Geimpfte und Genesene nicht optimal geschützt sind? Drohen nach den seltenen Nebenwirkungen bei Vaxzevria® von Astra-Zeneca weitere unerwartete Rückschläge für die Impfkampagne?

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) hält es aber weiterhin für realistisch, dass jeder Impfwillige bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot erhält. «Zusammen mit den Impfzentren und den Hausärzten haben wir sicher gute Möglichkeiten, das bis zum Sommer zu schaffen», sagte Thomas Mertens am Montag dem Bayerischen Rundfunk. Dafür sei jedoch entscheidend, wie zuverlässig die Lieferungen kämen und die Verimpfung klappe.

Experten befürchten, dass die seltenen Blutgerinnsel in Hirnvenen ein generelles Problem von Vektorimpfstoffen sein könnten. Auch das Präparat von Janssen und der russische Impfstoff Sputnik V könnten dann von Altersbeschränkungen betroffen sein. «Ich sehe die Gefahr, dass uns wegen dieser seltenen Nebenwirkungen rund die Hälfte der Impfdosen für die Sommermonate wegbricht», sagt der Immunologe Watzl. «Dann haben wir für die Unter-60-Jährigen erst einmal noch nicht genügend mRNA-Impfstoffe

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