10 Antibiotika / Antiinfektiva

 Telbivudin, Sebivo® (Novartis Pharma)

Mit Telbivudin steht seit Anfang Juni ein neuer antiviraler Arzneistoff für Erwachsene mit chronischer Hepatitis B zur Verfügung. Zugelassen ist das Medikament für Patienten mit kompensierter Lebererkrankung, das heißt mit geschädigter, aber normal arbeitender Leber, die Anzeichen einer weiteren Virusvermehrung, Leberschädigung und aktiven Entzündung haben.
Empfohlen wird, einmal täglich 600 mg unabhängig von der Nahrung einzunehmen. Der Arzneistoff wird kaum metabolisiert und unverändert überwiegend renal eliminiert. Daher sollen Patienten mit mittelschwerer und schwerer Niereninsuffizienz sowie Dialyse-Patienten das Dosierungsintervall verlängern.
Telbivudin ist ein synthetisches Thymidin-Nucleosidanalogon, das in vivo durch zelluläre Kinasen zur Wirkform phosphoryliert wird. Telbivudin-5´-Triphosphat hemmt die DNA-Polymerase des Hepatitis-B-Virus (HBV), indem es mit dem natürlichen Substrat Thymidin-5´-Triphosphat konkurriert. Der Einbau der „falschen“ Base in die Virus-DNA führt zum Kettenabbruch und damit zur Hemmung der HBV-Vermehrung und -Ausbreitung. Der neue Arzneistoff wirkt nicht gegen HI-Viren.
Seine Wirksamkeit wurde in einer großen Studie mit 1367 Patienten über ein und zwei Jahre geprüft und mit der des Standardmittels Lamivudin (100 mg einmal täglich) verglichen (GLOBE-Studie). Die meisten Patienten waren Asiaten. Alle hatten noch kein Nucleosidanalogon bekommen („Nucleosid-negativ“). Eingeschlossen waren HBeAg-positive, also mit dem verbreiteten HBV infizierte Patienten sowie HBeAg-negative Menschen, die einen mutierten, schwieriger zu behandelnden Virustyp in sich tragen.
Die Mehrzahl der Behandelten zeigte ein histologisches, virologisches, biochemisches und serologisches Ansprechen auf Telbivudin. Bei HBeAg-positiven Patien-ten war der neue Arzneistoff überlegen: Die Responderrate lag bei 73 Prozent gegenüber 67 Prozent unter Lamivudin. Bei den HBeAg-negativen Teilnehmern waren die Wirkstoffe gleichwertig (75 und 77 Prozent Responder).
Prognostisch günstig war ein früher Erfolg der Behandlung. Fast alle Patienten, bei denen die HBV-DNA-Spiegel bereits nach 24 Wochen unter der PCR-Nachweisgrenze von 300 Kopien/ml lagen, waren auch nach 52 Wochen „PCR-negativ“. Nach einem Jahr war bei 60 Prozent der HBeAg-positiven und 88 Prozent der negativen Patienten keine Virus-DNA in der PCR nachweisbar, aber nur bei 40 sowie 77 Prozent in den Lamivudin-Gruppen. Der Vorteil war auch nach zwei Jahren noch deutlich.
Die Resistenzrate war gering, vor allem bei frühem Ansprechen auf die Therapie. Aufgrund von Kreuzresistenzen zwischen Nucleosidanaloga sollen Telbivudin und Lamivudin nicht kombiniert werden. Häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Schwindel, Husten, Anstieg von Amylase und Lipase im Blut, Magen-Darm-Probleme, Hautausschlag und Müdigkeit. Bei längerfristiger Behandlung wurden auch ein Anstieg der Kreatin-Phosphokinase sowie Fälle von Myopathie und Myalgie beobachtet. In der Beratung sollte der Apotheker dem Patienten raten, bei diffusen Muskelschmerzen, Muskelspannen und -schwäche sofort den Arzt aufzusuchen.
Da an der Zulassungsstudie nur knapp 100 Menschen kaukasischer Abstammung („Europäer“) teilnahmen und diese auf beide Arzneistoffe eher weniger ansprachen, wäre ein weitere Studie in Europa wünschenswert. 

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