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Pembrolizumab|Keytruda®|86|2015

NEUE ARZNEISTOFFE

 
Stoffgruppe86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WirkstoffPembrolizumab
FertigarzneimittelKeytruda®
Hersteller

MSD

Markteinführung (D)08/2015
Darreichungsform

50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Keytruda ist zugelassen als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem Melanom. Als fortgeschritten sind dabei nicht resezierbare oder metastasierende Tumoren zu verstehen.

Wirkmechanismus

Der von T-Lymphozyten exprimierte Programmed Death (PD) 1 Rezeptor fungiert nach Bindung an seine Liganden PD-L1 und PD-L2 als negativer Regulator der T-Zell-Aktivität. Unter anderem Tumorzellen können PD-L1 und PD-L2 exprimieren und so der Zerstörung durch das Immunsystem entgehen. Der humanisierte monoklonale IgG4-Antikörper Pembrolizumab bindet an den PD-1-Rezeptor und blockiert dessen Interaktion mit PD-L1 und PD-L2. Auf diese Weise verstärkt er die T-Zell-vermittelte Immunreaktion gegen den Tumor.

Anwendungsweise und -hinweise

Patienten erhalten 2 mg Pembrolizumab pro kg Körpergewicht alle drei Wochen als intravenöse Infusion über 30 Minuten. Die Therapie soll so lange fortgesetzt werden, bis die Krebserkrankung fortschreitet oder eine unzumutbare Toxizität auftritt. Dabei ist zu beachten, dass manche Patienten ein atypisches Ansprechen zeigen, bei dem es initial vorübergehend zu einem Tumorwachstum oder zur Entstehung neuer kleiner Läsionen kommt, die sich jedoch im weiteren Verlauf zurückbilden. Schreitet die Erkrankung unmittelbar nach Beginn einer Therapie mit Pembrolizumab fort, soll diese daher nicht sofort wieder abgebrochen werden.

 

Patienten erhalten eine Patientenkarte, die sie über mögliche, mit der Pembrolizumab-Therapie verbundene Risiken informiert.

wichtige Wechselwirkungen

Die systemische Anwendung von Corticosteroiden oder anderen Immunsuppressiva kann die Wirkung von Pembrolizumab möglicherweise beeinträchtigen und soll daher vor dem Beginn einer Pembrolizumab-Therapie vermieden werden. Zur Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen von Pembrolizumab können diese Arzneistoffe jedoch eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Aufgrund seines Wirkmechanismus als Immunmodulator kann Pembrolizumab immunvermittelte Reaktionen auslösen. Dazu gehören entzündliche Veränderungen der Lunge (Pneumonitis), des Darms (Colitis), der Niere (Nephritis), der Hirnanhangdrüse (Hypophysitis) und der Leber (Hepatitis) sowie Typ-1-Diabetes und Störungen der Schilddrüsenfunktion. Diese können so schwerwiegend sein, dass sie eine Unterbrechung oder ein Absetzen von Pembrolizumab und eine Therapie mit Corticosteroiden oder einem anderen systemischen Immunsuppressivum erforderlich machen.

 

Immunvermittelte Nebenwirkungen kamen in den klinischen Studien gelegentlich bis häufig vor und waren neben Überempfindlichkeitsreaktionen die schwersten Ereignisse. Die häufigsten Nebenwirkungen Diarrhö (15 Prozent), Pruritus und Hautausschlag (je 25 Prozent) sowie Erschöpfung (33 Prozent) waren dagegen weniger schwerwiegend; sie traten überwiegend in den Schweregraden 1 und 2 auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die für die Zulassung ausschlaggebenden Studien zu Keytruda heißen KEYNOTE-001, -002 und -006. In diesen wurde Pembrolizumab teilweise in einer höheren Dosierung von 10 mg/kg Körpergewicht alle zwei beziehungsweise drei Wochen verabreicht. Diese hatte jedoch gegenüber der dann zugelassenen niedrigeren Dosis keine signifikanten Vorteile.

 

In der Phase-II-Studie KEYNOTE-002 erhielten 540 Patienten, die mindestens mit dem Anti-CTLA-4-Antikörper Ipilimumab vorbehandelt waren, Pembrolizumab in unterschiedlichen Dosierungen oder Chemotherapie. Pembrolizumab erwies sich der klassischen Chemotherapie hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens als überlegen, die Daten zum Gesamtüberleben waren zum Zeitpunkt der Analyse noch unvollständig.

 

Die Phase-III-Studie KEYNOTE-006 verglich Pembrolizumab mit Ipilimumab und schloss 834 Patienten ein. Pembrolizumab zeigte sich darin nicht nur hinsichtlich der Wirksamkeit signifikant überlegen – sowohl was das progressionsfreie als auch das Gesamtüberleben angeht –, sondern auch in Bezug auf die Sicherheit, denn schwerwiegende Nebenwirkungen waren unter Pembrolizumab seltener als unter Ipilimumab. Subgruppenanalysen aller Daten zeigen, dass Patienten unabhängig vom BRAF-V600-Mutationsstatus und vom PD-L1-Status auf die Therapie mit Pembrolizumab ansprachen.

Hintergrundinfos

Besonderheiten

Keytruda ist bei Temperaturen von 2-8 °C (Kühlschrank) zu lagern.

Keytruda ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Links

weitere Hinweise

Pembrolizumab soll bei Schwangeren nicht angewendet werden, wenn es der klinische Zustand der Frau nicht erfordert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und noch mindestens vier Monate danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Da Antikörper in die Muttermilch übergehen können, ist dies für Pembrolizumab nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht erwiesen. In der Stillzeit muss unter Berücksichtigung der Interessen sowohl der Patientin als auch des Kindes eine Entscheidung pro oder kontra Stillen beziehungsweise Therapie gefällt werden.

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Letzte Aktualisierung: 08.06.2016



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