Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Rivaroxaban: Mehr Todesfälle, aber keine Neubewertung

NACHRICHTEN

 
Rivaroxaban: Mehr Todesfälle, aber keine Neubewertung
 


Die Zahl der offiziell gemeldeten Todesfälle nach einer Therapie mit dem immer öfter verordneten Gerinnungshemmer Rivaroxaban (Xarelto® von Bayer) ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. «Uns liegen für 2013 insgesamt 102 Verdachtsberichte zu Todesfällen von Menschen vor, die zuvor mit Xarelto behandelt worden sind», teilte der Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn, Maik Pommer, der Nachrichtenagentur dpa mit. Allerdings ist unklar, ob das Arzneimittel die Todesfälle verursacht hat.

Der Bremer Gesundheitsforscher Professor Dr. Gerd Glaeske hatte bei der Vorlage des neuen Arzneimittelreports der Barmer-GEK am Dienstag in Berlin kritisiert, dass Ärzte das Mittel trotz Risiken viel zu häufig verordnen würden. So sei der Umsatz von Xarelto innerhalb eines Jahres um rund 200 Prozent auf rund 280 Millionen Euro gestiegen. Der Absatz habe sich von rund 668.000 auf 1,7 Millionen Packungen 2013 erhöht. Die Jahrestherapiekosten des seit 2008 in Deutschland verfügbaren Mittels betrügen 1195 Euro, beim seit Jahrzehnten erhältlichen Phenprocoumon (Marcumar®) seien es 33 bis 100 Euro. Glaeske kritisierte das Risiko unstillbarer Blutungen ohne Gegenmittel wie bei dem Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon: «Die Todesfälle nehmen zu.»

BfArM-Sprecher Pommer wies darauf hin, dass es sich bei den Meldungen an seine Behörde um reine Verdachtsfälle handle. So könne der tödliche Verlauf Folge der Grunderkrankung sein. Der Anstieg der Meldungen könne auch auf die gestiegenen Verordnungszahlen oder stärkere öffentliche Aufmerksamkeit für ein Mittel zurückzuführen sein. Eine neue Risikolage gebe es seit des Rote-Hand-Briefs vom September 2013 nicht, doch es sei unerlässlich, die bekannten Risiken in der ärztlichen Praxis lückenlos zu berücksichtigen.

Der Geschäftsführer Forschung des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Siegfried Throm, warf Glaeske Irreführung vor. Gerinnungshemmer minderten bei gefährdeten Patienten erheblich das Schlaganfallrisiko. Bei den Älteren sei das Blutungsrisiko in vielen Fällen höher. «Wer das bei einer Bewertung neuerer Gerinnungshemmer nicht erwähnt, betreibt grobe Irreführung.»
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Rivaroxaban (Xarelto® / 2008) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
Orale Antikoagulanzien: Antidot in Phase II, PZ 46/2013
Blutungsgefahr unter neuen oralen Antikoagulanzien, PZ 38/2013
 
28.05.2014 l PZ/dpa
Foto: Bayer
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen

Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...



Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene

Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...



ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....



Generika: EU-Parlament will Produktion stärken

Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

 
 

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU