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Studie: Immunantwort ist bewusst zu steuern

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Studie: Immunantwort ist bewusst zu steuern
 


Menschen sind anscheinend in der Lage, ihre Immunantwort durch gezielte Übungen herunterzuregulieren, sodass weniger Entzündungsmediatoren freigesetzt werden. Das konnten Forscher des Radbound University Medical Centers in Nijmegen, Niederlande, nachweisen. Die Arbeitsgruppe um Dr. Matthijs Kox und Peter Pickkers untersuchte, ob Testpersonen, die ein spezielles Training durchlaufen hatten, ihr Immunsystem aktiv modulieren können.
 
Trainer war der bekannte Niederländer Wim Hof, der bereits mehrere internationale Rekorde unter extremer körperlicher Belastung erzielte. Beispielsweise wanderte er in kurzen Hosen auf den Gipfel des Kilimandscharo, hielt langen Eisbädern stand und bekam dafür einen Eintrag ins Guinnessbuch. Zwölf Freiwillige absolvierten bei ihm eine Schulung, die unter anderem Schwimmen in Eiswasser, mit nacktem Oberkörper im Schnee liegen, Atemübungen sowie Meditation umfasste.
 
Anschließend injizierten die Forscher sowohl den zwölf geschulten Probanden als auch zwölf Kontrollpersonen ohne Vorkenntnisse ein bakterielles Toxin, das eine Immunantwort auslöst. Die untrainierten Personen reagierten darauf mit höheren Entzündungswerten im Blut als jene mit Training, berichten die Forscher im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences». Des Weiteren klagten mehr Teilnehmer in der Kontrollgruppe über grippeähnliche Symptome.
 
Kox vermutet, dass die Atemübungen die Adrenalinproduktion erhöhen und dadurch das Immunsystem gedämpft wird und weniger Entzündungsproteine ins Blut gelangen. Bisher nahm man an, dass weder das Immunsystem noch das autonome Nervensystem bewusst zu beeinflussen sind. In der Studie zeigt Kox jedoch, dass erlernte Techniken das sympathische Nervensystem aktivieren können, wobei Adrenalin freigesetzt wird, das die Immunantwort abschwächt.
 
Bisher gilt der Zusammenhang nur für die akute Entzündungsreaktion. Ob die neuen Erkenntnisse auch für Patienten mit chronisch-entzündlichen Leiden wie rheumatoide Arthritis von Nutzen sein werden, ist noch nicht geklärt. (ank)
 
doi: 10.1073/pnas.1322174111
 
13.05.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Andrey Stratilatov (Symbolbild)
 

 

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