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Flupentixol ist Risperidon ebenbürtig

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Flupentixol ist Risperidon ebenbürtig

von Brigitte M. Gensthaler, Nürnberg

Das altbekannte Neuroleptikum Flupentixol ist bei Schizophrenie-Patienten mit ausgeprägter Negativsymptomatik ebenso wirksam und verträglich wie das atypische Neuroleptikum Risperidon. Dies belegt eine noch nicht veröffentlichte Multicenterstudie, die der Hersteller Bayer Vital kürzlich in Nürnberg vorstellte.

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In der randomisierten doppelblinden Studie erhielten 153 schizophrene Patienten, die an einer verminderten psychischen Leistungsfähigkeit litten, entweder 2 bis 6 mg Risperidon (Risperdal®) oder 4 bis 12 mg Flupentixol (Fluanxol®) täglich. Im Schnitt wurden 3,65 mg Risperidon und 6,63 mg Flupentixol gegeben, erläuterte Studienleiter Professor Dr. Michael Philipp, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychologie in Landshut. Die meisten Patienten waren bereits vorbehandelt.

Die FRISPO-Studie soll belegen, dass das Thioxanthen-Derivat Flupentixol dem atypischen Neuroleptikum Risperidon bei der Behandlung der Negativsymptome klinisch ebenbürtig ist. Daneben wurde der Effekt auf die allgemeine Psychopathologie und depressive Begleitsymptome der Patienten geprüft. Auswertungen erfolgten nach 8, 16 und 24 Wochen.

Die Negativsymptome reduzierten sich nach 24 Wochen in beiden Gruppen um etwa zehn Punkte in der PANSS-Skala (Positive and Negative Syndrome Scale) - laut Philipp "eine erstaunliche Besserung". Der Haupteffekt trat in den ersten acht Wochen ein. Danach waren nur noch leichte Veränderungen messbar. Zwei Drittel der Patienten stufte der Psychiater als Responder ein. Die Positivsymptomatik - dazu gehören zum Beispiel Wahnideen und Halluzinationen - veränderte sich nur leicht. Eine eher mäßig ausgeprägte Depression verbesserte sich ebenfalls in beiden Gruppen. Unter Flupentixol war diese Wirkung nach 24 Wochen tendenziell, aber nicht signifikant deutlicher. Keine Unterschiede gab es laut Philipp bei der Zahl der Rückfälle, stationären Einweisungen, der Krankenhaustage sowie Zahl und Ursachen von Therapieabbrüchen.

Auch in punkto Verträglichkeit waren die Substanzen vergleichbar. Extrapyramidal-motorische Störungen blieben entweder konstant oder nahmen leicht ab, erklärte Professor Dr. Matthias Dose, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Taufkirchen: "Statistisch nicht signifikant und klinisch nicht relevant". Unter Risperidon legten die Patienten mehr Gewicht zu (2,8 versus 1,0 kg nach 24 Wochen). Dagegen berichteten drei Viertel der Flupentixol-Patienten über unerwünschte Nebenwirkungen im Vergleich zu knapp 60 Prozent in der Risperidon-Gruppe. Am häufigsten klagten sie über eine Verschlechterung ihres Zustandes, Akathisie (Sitzunruhe), Schlaflosigkeit und Nervosität.

Gleichwohl war die Mehrzahl der Patienten zufrieden mit den Medikamenten in der verabreichten Dosierung und fand sie besser als die vorherige Arzneitherapie. Das subjektive Wohlbefinden nahm deutlich zu. Dies bewertete der Sozialpsychiater Professor Dr. Otto Michel Lesch von der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien als günstig: Individuelle Zufriedenheit fördere die Compliance, reduziere Rückfälle und damit Kosten.

 

Atypisch oder doch nicht Unklar definiert und für den Patienten problematisch - so schätzt Professor Dr. Hans-Jürgen Möller, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik München, die populäre, aber vereinfachende Einteilung der Neuroleptika in klassische und atypische Antipsychotika ein. "Welcher Patient will schon atypisch behandelt werden?" Definitionsgemäß sollen Atypika keine oder kaum extrapyramidal-motorische Störungen (EPS) auslösen und Negativsymptome gut beeinflussen. Außerdem sollen sie bei therapieresistenten Patienten erfolgversprechend sein und charakteristische Rezeptorbindungseigenschaften aufweisen.

Eine scharfe Abgrenzung der Wirkstoffe sei jedoch nicht möglich. Ordne man diese nach ihrem Wirkprofil und Nebenwirkungsspektrum ein, erhält man eine Reihe mit fließenden Übergängen, sagte Möller. Haloperidol, dem Prototyp der Klassiker, stehe Clozapin als Leitsubstanz der Atypika gegenüber. Nahe bei diesem siedelte er Olanzapin und dann Risperidon an. Risperidon müsse sorgfältig dosiert werden, da es in hoher Dosierung ebenfalls EPS auslösen kann. Am "anderen Pol" steht Haloperidol, das "außerordentlich gut" bei Positivsymptomen und akuten schizophrenen Psychosen wirkt, aber ein hohes EPS-Risiko birgt. "Weichere" klassische Neuroleptika seien beispielsweise Chlorpromazin und Perazin. Eher im Mittelfeld - "partiell atypisch" - siedelte Möller Flupentixol an.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2001

 

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