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Aktiviertes Protein C senkt Todesrate bei schwerer Sepsis












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Aktiviertes Protein C senkt Todesrate bei schwerer Sepsis

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Patienten mit schwerer Sepsis, die intravenös aktiviertes Protein C erhalten, haben bessere Überlebenschancen, so das Ergebnis einer aktuellen Multicenterstudie mit knapp 1700 Intensivpatienten.

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Trotz der Fortschritte in der Intensivmedizin sterben 30 bis 50 Prozent aller Patienten an den Folgen einer schweren Sepsis. Bei einer akuten Sepsis aktivieren inflammatorische Zytokine wie der Tumornekrosefaktor a, Interleukin-1 und Interleukin-6 die Blutgerinnung und hemmen die Fibrinolyse. Daneben ist das gerinnungsfördernde Thrombin an verschiedenen entzündungsfördernden Prozessen beteiligt. Die Sepsis kann zu diffusen endovaskulären Verletzungen, Multiorganversagen und schließlich zum Tod führen.

Aktiviertes Protein C fördert die Fibrinolyse und verhindert Thrombosen und Entzündungen. Das Eiweiß wird im Körper aus seiner inaktiven Vorstufe, dem Protein C, durch Thrombin/Thrombomodulin gebildet. Die Umwandlung von Protein C zu aktiviertem Protein C kann während einer Sepsis als Folge der Down-Regulation von Thrombomodulin durch inflammatorische Zytokine beeinträchtigt sein. Bei der Mehrzahl aller Sepsis-Patienten findet man daher reduzierte Protein-C-Spiegel.

In neueren präklinischen und klinischen Studien konnten Wissenschaftler zeigen, dass die Gabe von aktiviertem Protein C die Prognose von Patienten mit schwerer Sepsis verbessern kann.

In einer placebokontrollierten Phase-II-Studie bei Patienten mit schwerer Sepsis senkte eine Infusion mit rekombinant hergestelltem humanem aktivierten Protein C (Drotrecogin a, geplanter Handelsname Zovant® von Eli Lilly) dosisabhängig die Plasmaspiegel die Serumspiegel von d-Dimer Interleukin-6. Beide sind Marker für eine Koagulopathie beziehungsweise Entzündung.

Jetzt untersuchten Forscher erneut in einer Multicenterstudie, inwieweit die Substanz die Mortalitätsrate bei Patienten mit schwerer Sepsis senken kann. Dazu erhielten die Patienten mit schwerer Sepsis, begleitet von systemischen, entzündlichen Prozessen und Organversagen, intravenös entweder Placebo oder aktiviertes Drotrecogin a (24 µg pro kg Körpergewicht pro Stunde). Die Infusionsdauer betrug 96 Stunden. Der prospektiv definierte primäre Endpunkt war der Tod der Patienten nach 28 Tagen. Die Mediziner registrierten zudem sämtliche Nebenwirkungen, veränderte Laborparameter und prüften auf neutralisierende Antikörpern gegen aktiviertes Protein C.

Insgesamt erhielten 1690 Patienten eine Infusion, davon 840 Placebo und 850 Verum. Die Mortalitätsrate lag bei 30,8 Prozent unter Placebo und bei 24,7 Prozent in der Verumgruppe. Unter Verum litten die Patienten häufiger an schweren Blutungen als unter Placebo (3,5 Prozent versus 2 Prozent).

Quelle: Bernard, G. R., et al., Efficacy and Safety of Recombinant Human Activated Protein C for Severe Sepsis. NEJM 344 (2001) 699. Top

© 2001 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2001

 

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