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Dem Linné der Chemie zum 150. Todestag

MAGAZIN

 
Leopold Gmelin 

Dem Linné der Chemie zum 150. Todestag

von Bernard Unterhalt, Marburg

Leopold Gmelin gehört zu den Begründern der physiologischen Chemie. Darüber hinaus bemühte er sich, den gesamten chemischen Wissensstand seiner Zeit restlos und objektiv zu beschreiben.

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So verfasste er ab 1817 die ersten Bände des Handbuchs der (theoretischen) Chemie, heute unter dem Titel „Gmelin-Handbook of Inorganic and Organometallic Chemistry“ bekannt. Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770 bis 1837) bemerkte 1822, dass das Handbuch ganz dem Standpunkt des Wissens gemäß bearbeitet ist „und alle wichtige Theile desselben umfaßt, ohne sich in das Gebiet der leeren Träume fantastischer sogenannter Naturphilosophen zu verliren“.

Gmelin stammt aus der Tübinger Linie einer alten schwäbischen Pfarrersfamilie. Er wurde am 2. August 1788 als dritter Sohn des Medizinprofessors und späteren Professors für Botanik und Chemie Johann Friedrich Gmelin in Göttingen geboren. Nach dem Besuch des Göttinger Gymnasiums mit ergänzendem Privatunterricht nahm er im Sommersemester 1804 an Chemie-Vorlesungen seines Vaters teil und wechselte auf dessen Rat noch im Sommer desselben Jahres nach Tübingen, um traditionsgemäß in der Familienapotheke zu arbeiten sowie das Studium der Medizin und Pharmazie aufzunehmen. Nach dem Tod seines Vaters (1. November 1804) kehrte er nach Göttingen zurück und setzte seine Studien bei Friedrich Stromeyer, dem Nachfolger auf der Stelle seines Vaters, fort. Nach der Abschlussprüfung 1809 landete er wieder in Tübingen, wo er Chemie studierte und seine Dissertation begann, deren experimentelle Weiterführung im Jacquin‘schen Labor in Wien erfolgte. 1812 wurde er bei Stromeyer in Göttingen mit der Arbeit „Chemische Untersuchungen des schwarzen Pigments der Ochsen- und Kälberaugen“ zum Dr. med. promoviert.

Nun unternahm Gmelin eine einjährige Italienreise, auf der er Operationssäle, Spitäler und Gefängnisse visitierte sowie Studien in Mineralogie und Geologie, unter anderem im Vesuvgebiet, betrieb. Dazu gehörten Untersuchungen des Minerals Haüynit, mit deren in Göttingen erzielten Ergebnissen er sich in Heidelberg für Chemie und Mineralogie habilitierte. Kurze Zeit später erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor für Medizin und Pharmazie sowie Chemie. Nach einem Studienaufenthalt bei Louis Nicolas Vauquelin in Paris nahm er 1815 seine Lehrtätigkeit in Heidelberg auf und wurde 1817 anlässlich der Ablehnung der Klaproth-Nachfolge in Berlin ordentlicher Professor und Direktor des Chemischen Instituts in der Medizin.

Er begann mit den Arbeiten zu seinem Handbuch, verfolgte aber auch Fragestellungen auf den Gebieten Physiologie, anorganische, organische und theoretische Chemie sowie Mineralogie. Rotes Blutlaugensalz, Verbindungen des Bors und der Borsäure, Kaliumrhodanid im menschlichen Speichel, Taurin aus Ochsengalle, Krokonsäure und Versuche über die Wege, auf welchen Substanzen aus dem Darmkanal in das Blut gelangen, sind markante Ergebnisse.

Einen Ruf nach Göttingen als Nachfolger seines Lehrers Friedrich Stromeyer lehnte er 1835 ab; er empfahl stattdessen seinen Meisterschüler Friedrich Wöhler (1800 bis 1892). 1851 ließ sich Gmelin wegen seiner angegriffenen Gesundheit emeritieren. Er starb nach mehreren Schlaganfällen am 13. April 1853 und fand seine Ruhestätte auf dem Waldfriedhof in Heidelberg.

 

Lebensdaten 1788, am 2. August, als dritter Sohn von J. F. Gmelin (1748 bis 1804) in Göttingen geboren
1799 bis 1804 Besuch des Gymnasiums in Göttingen, daneben Privatunterricht
1804 Arbeit in der Familienapotheke in Tübingen, Studium der Medizin und Pharmazie, Rückkehr nach Göttingen
Herbst 1804 bis 1809 Studien bei Friedrich Stromeyer (1776 bis 1835); Abschlussprüfung
1809 bis Ostern 1811 Studium der Chemie in Tübingen, Beginn der Dissertation, Abschluss in Wien
1812 Dr. med. bei F. Stromeyer in Göttingen; Studienreise nach Italien bis Frühjahr 1813
Herbst 1813 Habilitation für Chemie und Mineralogie in Heidelberg
1814 außerordentlicher Professor für Medizin und Pharmazie sowie Chemie
1814 bis Frühjahr 1815 Studien bei L. N. Vauquelin (1763 bis 1829) in Paris
1816 Heirat mit Louise Maurer, Tochter des Weinheimer Pfarrers: Tochter Julie
1817 Ablehnung eines Rufs nach Berlin als Nachfolger von Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817); ordentlicher Professor und Direktor des Chemischen Instituts in der Medizin in Heidelberg
1835 Ablehnung eines Rufs nach Göttingen
1851 Emeritierung
1853, am 13. April, in Heidelberg gestorben

 

Literatur

  • E. Pietsch u. E. Beyer, Leopold Gmelin – der Mensch, sein Werk und seine Zeit: Ber. Dtsch. Chem. Ges. 72 A, 5 - 33 (1939).
  • R. Schmitz, Die Deutschen Pharmazeutisch-Chemischen Hochschulinstitute, C. Boehringer Sohn, Ingelheim 1969.
  • Lexikon bedeutender Chemiker, Verlag H. Deutsch, Thun-Frankfurt (M.) 1989.
  • Poggendorff I, 916 (1863).
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Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2003

 

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