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Malariaimpfung rückt näher

MEDIZIN

 
Malariaimpfung rückt näher

Von Daniela Biermann

 

Sie wird sehnsüchtig erwartet, die Impfung gegen Malaria. Erstmals konnte eine Vakzine in zwei klinischen Studien die Infektionsrate um mehr als 50 Prozent senken. Damit ist der Weg frei für eine große Phase-III-Studie mit 16.000 Kindern.

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Bereits seit den Achtziger Jahren arbeiten Forscher von GlaxoSmithKline an RTS,S so das Kürzel für den derzeit vielversprechendsten Malariaimpfstoff. Zwei Studien im Fachblatt »New England Journal of Medicine« bescheinigten ihm nun seine Wirksamkeit (Doi: 10.1056/NEJMoa0807381, 10.1056/NEJMoa0807773). 809 Kleinkinder im Alter von 5 bis 17 Monaten in Tansania und Kenia erhielten entweder die Testvakzine oder einen Tollwutimpfstoff. Während bei den gegen Malaria immunisierten Kindern innerhalb von acht Monaten 32 erkrankten, waren es in der Kontrollgruppe 66. Damit sank das Risiko schwerer klinischer Malariaepisoden um 53 Prozent. Zudem verzögerte die Impfung den Krankheitsverlauf. In der zweiten Studie mit 340 tansanischen Kleinkindern lag der Schutz sogar bei 65 Prozent. Diese Babys wurden gleichzeitig gegen andere Krankheiten wie Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten geimpft. »Die Vakzine ist kompatibel mit all den anderen Routineimpfungen, die Kinder bekommen. Deshalb muss sie nicht separat gegeben werden«, betont Studienleiter Philip Bejon von der Universität Oxford gegenüber dem Wissensmagazin »New Scientist«. Der Impfstoff richtet sich gegen nur ein Antigen des Malariaerregers Plasmodium falciparium, nämlich gegen das Circumsporozoitprotein. Damit ist er spezifisch für das Sporozoiten-Stadium im Lebenszyklus des Parasiten.

 

Als Sporozoit bezeichnet man die Entwicklungsform von Plasmodium, in der sich der Erreger direkt nach der Übertragung durch Anophelesmücken im menschlichen Blut befindet. RTS,S ist als Konjugatimpfstoff an ein adjuvantes System (AS) gebunden, das die Immunantwort verstärken soll. Wie lang die Impfung ausreichend Schutz gibt und ob sich Resistenzen bilden, ist noch offen. GlaxoSmithKline hofft auf eine Schutzdauer von mindestens vier Jahren. Das soll in einer großen Phase-III-Studie geprüft werden, die Anfang nächsten Jahres beginnt. Dazu sollen mehr als 16.000 Kleinkinder in sieben afrikanischen Ländern mit unterschiedlichen Infektionsraten geimpft werden. Hier soll die Vakzine beweisen, dass sie auch in stark betroffenen Malariagebieten die Erkrankung wirksam verhindern kann.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 51/52/2008

 

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