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Vitamine und Spurenelemente: Supplemente helfen nicht gegen Krebs

MEDIZIN

 
Vitamine und Spurenelemente

Supplemente helfen nicht gegen Krebs

Von Christina Hohmann

 

Schon seit längerem stehen Vitamin- und Selenpräparate in der Kritik: Schützen sie vor Krebs oder nicht ? Zwei große prospektive Studien kommen jetzt zu dem Ergebnis, dass weder Vitamin C und E noch Selen krebspräventiv wirken.

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Das US-amerikanische National Cancer Institute wollte in einer Studie die Wirkung von antioxidativen Vitaminen und Selen auf die Krebsentstehung testen. An dem »Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial« (SELECT) nahmen mehr als 35.000 Männer im Alter über 50 Jahren aus 400 Städten der USA, von Puerto Rico und Kanada teil. Die Probanden wurden auf vier Arme randomisiert: Sie erhielten entweder 400 I. E. Vitamin E, 200 µg Selen, eine Kombination aus beiden oder ein Placebo. Die Studie sollte sieben Jahre dauern, wurde aber bereits im Oktober nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 5,46 Jahren abgebrochen. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher um Scott Lippman vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston jetzt im amerikanischen Ärzteblatt »JAMA« (Doi: 10.1001/jama.2008.864).

 

Der Publikation zufolge schützten die Antioxidanzien nicht gegen Krebs, sondern erhöhten das Krebsrisiko sogar leicht. Unter der Einnahme von Vitamin E stieg das Risiko für Prostatakrebs um 13 Prozent, unter Selen um 4 Prozent. Die Kombination steigerte das Risiko um 5 Prozent. In der Selengruppe war zudem das Risiko für Diabetes mellitus um 7 Prozent erhöht, berichten die Forscher.

 

Zu ähnlich schlechten Ergebnissen für Antioxidanzien kam auch eine zweite nun in »JAMA« publizierte Studie (Doi: 10.1001/jama.2008.862). An der »Physicians' Health Study« nahmen 14.641 männliche Ärzte über 50 Jahre teil, von denen bereits 1307 eine Krebserkrankung durchgemacht hatten. Die Mediziner erhielten über einen durchschnittlichen Zeitraum von etwa acht Jahren entweder 500 mg Vitamin C täglich, 400 I. E. Vitamin E jeden zweiten Tag oder Placebo. Im Beobachtungszeitraum traten insgesamt 1943 Krebs-Neuerkrankungen auf, davon 1008 Fälle von Prostatakrebs. Die Einnahme von Vitamin E hatte im Vergleich zu Placebo keinen Effekt auf die Krebshäufigkeit. Auch Vitamin C konnte die Krebsrate sowie die Prostatakrebsrate nicht signifikant senken. Die Daten rechtfertigten nicht die Verwendung der Supplemente bei älteren Männern und Männern mittleren Alters zur Prävention von Krebs, schreiben die Autoren Michael Gaziano und seine Kollegen vom Brigham and Women's Hospital in Boston.

 

Schon im Frühjahr vergangenen Jahres wurde der Nutzen von Vitaminsupplementen infrage gestellt. Eine ebenfalls im »JAMA« (Band 297, Seite 842 bis 857) vorgestellte Metaanalyse von 68 Studien hatte ergeben, dass weder die Vitamine A, C oder E noch Selen, β-Carotin oder Kombinationen aus diesen die Gesamtmortalität senken können. Wenn Studien schlechter Qualität ausgeschlossen wurden, zeigte sich sogar, dass die regelmäßige Einnahme der genannten Supplemente die Sterberate erhöhte (siehe dazu Kontroverse um Vitaminsupplemente, PZ 10/2007).


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Beitrag erschienen in Ausgabe 51/52/2008

 

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